Eine VN2 will auch auf die Straße

  • Bei den Wideframes ist die Rahmennummer, in der Regel im Bereich der Vergaserklappe eingeschlagen.
    Leider war bei meiner VN2 dieser Bereich komplett verrostet und auch überlackiert. Meistens reicht
    es ja den Lack bzw. den Rost zu entfernen und die Rahmennummer wird wieder erkenntlich. In meinem Fall
    waren die Rostnarben aber so tief, dass ich sehr vorsichtig ans Werk gehen musste, um noch etwas zu retten
    bzw. sichtbar zu machen.


    Als Erstes habe ich mit Aceton den Ü-Lack entfernt und mit Rostdelete den Bereich der Rahmennummer
    eingestrichen und 24 Std. einwirken lassen. Rostdelete deswegen, weil es besser haftet als das dünnflüssige
    Pelox. Allerdings war das Ergebnis nach 24 Std. äußerst ernüchternd. Rostdelete hat bei weiten nicht die
    Kraft von Pelox und so bin ich am nächsten Tag umgeschwenkt und habe im halben Stunden Takt Pelox
    aufgetragen und Schichtweise den umgewandelten Rost abgetragen. Mittels Messingbürste bzw. Nassschleifpapier
    in der Körnung 800-1200. Dadurch kam ich schlußendlich dann doch noch zu den Zahlen



    nach ca. einem halben Tag Spielerei mit Pelox. Abwaschen und die Stellen polieren, dann Gott sei Dank die ersten Erfolge
    die Rahmennummer wird sichtbar. Man muss allerdings dazu sagen, wenn ich nicht die original Papiere hätte, würde man
    sich trotz allem schwer tun, die Fragmente noch zu entziffern. Aber nachdem die Rahmennummer bekannt ist, kann man
    es meiner Meinung nach doch ganz gut entziffern (ich hoffe der Tüv Prüfer auch). Auf dem Foto kommt es nicht so rüber,
    aber Buchstaben und Zahlen und auch der Stern sind strukturell erkennbar.



    Die Nummern von innen erkenntlich zu mach scheiterte leider auch, dafür sind die
    Zahlen anscheinend wenig stark eingeschlagen gewesen. Normalerweise sollte aufgrund der
    Stauchung des Materials die Rahmennummer spiegelverkehrt sichtbar werden beim Anschleifen.
    In meinem Fall leider nur blankes Metall. Wie gesagt, mit äußerster Vorsicht ans Werk gehen, sonst
    sind die Nummern schnell komplett unkenntlich. Daher auf maschinellen Einsatz besser verzichten.


    Es bestünde jetzt noch die Möglichkeit die Zahlen nach der Frey´schen Methode mittels Kupferchlorid erkennbarer zu machen,
    den Spaß hebe ich mir allerdings auf, wenn mir der Tüv die rote Karte geben sollte. Da das Zeug eigentlich im Handel offiziell
    nicht zu bekommen ist.

  • eventuell ein kriminaltechnischen Dienst fragen oder sowas in der Art
    die haben vielleicht ein tragbares Röntgengerät - damit sollten sich so Sachen auch sichtbar machen lassen

  • Scheiß Wetter, also dann.....


    .....ich fange gerne was an und lass mir dann immer sehr Zeit, aber die Dame ist mir letztes Jahr recht
    günstig beschienen worden und so habe ich momentan neben den 2 Vjatkas eben auch das LU Projekt
    laufen.
    Die Vorgeschichte ist vielleicht bekannt: Fahrzeug kommt aus Nizza und wurde in einer Hauruck-Partie
    von mir und einen Freund nach Wien und anschließend nach München geholt. Das Fahrzeug ist das letzte
    LU-Modell und man merkt es an der schlichten Ausführung. Die VN2 gilt als das Sparmodell dieser Baureihe.
    Piaggio war halt zum damaligen Zeitpunkt schon mehr in Richtung der 150ccm³ Modelle orientiert.


    Zum Fahrzeug selbst: Die LU stand für ihr Alter ganz gut da, wurde aber in typischer italienischer Manier vor
    Jahren überpinselt und natürlich auch ohne den Rost vorher zu entfernen ;)
    Motor war fest, allerdings nicht der klassische feste Kolben, sondern das Polrad war mit dem Lüfterkanal
    korrodiert. Links beim Herausholen aus dem Schuppen von Giovanni (gebürtiger Italiener in Nizza lebend)
    Gepäckbrücke von einer anderen LU, nicht mehr der originale Lichtschalter (Zubehörschalter von CEV)
    und der komplette Scheinwerfer vom damaligen Zubehör der Fa. Zenith. Abmeldebescheinigung und
    Kaufvertrag auf den letzten Fahrzeughalter und Besitzers lautend sind ebenfalls vorhanden.




    Für mich war eigentlich von Anfang an klar die bleibt wie sie ist!
    Heißt : wird zerlegt, alle Teile aufgearbeitet und ggf. schadhafte Teile durch Originalteile getauscht.
    Karosserie: der Ü-Lack so gut es geht entfernt und extreme Roststelle beseitigen, anschließend
    dauerhaft konservieren
    Motor: bleibt der original Motor unter Einbeziehung von Teilen aus der Schweitzer Edelschmiede "Bollag"


    Ein typischer Vorgeschmack, was einen erwarten muss wenn man so wie ich, ein Fahrzeug ohne genauere
    Inspektion, einfach blindlings kauft.



    ...so werden in Italien Satteln repariert! Die gebrochener Sattelfeder wurde einfach belassen.
    Man kann sich gut vorstellen, wie angenehm die letzten Ausfahrten waren ;)
    .....es sollte aber noch schlimmer kommen!
    vorderes Federbein hat auch schon deutlich bessere Zeiten erlebt, na ja beim Motor könnte man jetzt streiten, der
    soll ja eigentlich nur laufen, aber schön schaut auch anders aus......
    Man darf aber nicht meckern, hätte ich mich bezüglich Fahrzeugkauf ein wenig mehr eingelesen, dann wäre mir das
    alles nicht passiert bzw. hätte ich sicherlich den Fahrzeugpreis um € 3,50 runterhandeln können..


    und das schlimmste Fo´pa, dass mir passieren konnte. Ich habe was gekauft, mit verpönten braunen Sattel, somit
    muss ich mich jetzt auch in die Reihe der Eisdielenfahrer einreihen :+5


  • Sattel aufarbeiten:
    Nachdem mir der Sattel aber ganz gut gefallen hat, wollte ich den eigentlich behalten und auch auf aufarbeiten
    lassen. Da mir der GSF Sattler nicht richtig angesprungen war, weil er die Ansicht vertrat, die Satteldecke
    ist nicht mehr zu retten, musste ich selber aktiv werden. Als erstes war wieder das Reinigen der Teile angesagt.
    Alte poröse Satteldeckeneinlage rausgeschnitten. Wenn man selbst nicht über die Werkzeuge eines Sattlers
    verfügt, so gestalten sich Reparaturen an der Decke doch ein wenig schwieriger. Ich habe mich konzentriert
    die aufgegangenen Nähte von der Innenseite zu fixieren (kleben). Der äußere desolate Zustand sollte beibehalten
    werden. Die Satteldeckeneinlage, Sattelfedern mit Verbindungsplatte (leider ohne Befestigungsklammern) und
    die Federn gibt es als Ersatzteile im Nachbau zu kaufen. Die Federn habe ich mir bestellt, allerdings für den Preis
    sehr schlampige Ausführung. Die Haken der Federn waren gemein gefährlich und nachdem die an der Satteldecke
    reiben, musste ich alle händisch entgraten bzw. abrunden. Bei der Satteldecke habe ich dann eine selbstklebende
    Industriefilzeinlage in der Stärke von 7mm genommen und als dämpfende Zwischeneinlage Moosgummi in der Stärke
    von 2mm.




    GSF user Vesperazzo aus der Schweiz hat mir dann noch zwei orig. intakte Sattelfedern,einen Gepäckhaken und den Chokehebel
    zur Verfügung gestellt. Somit steht einem erneuten Einsatz nichts mehr im Wege. Die Feder gab es in verschiedenen Aus-
    führungen. Verchromt bzw. dunkel lackiert. Bei meinem Modell wären dunkle original verbaut gewesen, da es aber mit ziemlicher
    Sicherheit ein orig. Zubehörsattel der damaligen Zeit ist, war mir das egal. Die Satteldecke sollte eigentlich bündig vorne ab-
    schliessen, aber das Material ist über die lange Zeit geschrumpft, ist ja bei uns auch nicht anders ;)
    ...und wie ich dann fertig war, meldete sich mein Sattler er wäre doch daran interessiert den Sattel zu restaurieren....


    Jetzt fehlt mir nur noch ein orig. Haltebügel, dann wäre der Sattel vollständig.


    Natürlich werden auch fertige Satteln im Nachbau angeboten, die sind aber bis auf ein paar Ausnahmen, zum
    Vergessen, weil qualitativ einfach absolut schlecht gemacht. Wenn man Material und Zeit hochrechnet, dann hätte man mit ziemlicher Sicherheit einen gut gebrauchten Sattel um dieses Geld bekommen, aber nur wenn du solche Sachen
    einmal selbst gemacht hast, ist dir klar, warum ein Sattler für das Fertigen von solchen Geschichten einen sichtbaren
    Betrag verlangt.

  • Vielleicht auch mal was zur Ersatzteilversorgung dieser Modelle.
    Während sich bei der Vjatka die Ersatzteilversorgund mehr oder weniger auf eine Person aus Lettland fokussiert und einzelene
    Kontakte im In- und Ausland, so kannst bei der Vespa wirklich aus dem Vollen schöpfen. Es besteht meines Erachtens über-
    haupt nicht die Notwendigkeit, da billigsten Nachbauschrott aus Fernost an den Roller zu klatschen, außer man steht halt darauf.


    Soziusbanker´l (Brötchen) konnte ich auch bereits auftreiben. Ist zwar von einer VM1 (andere Gepäckbrücke und
    somit Befestigungspunkte anders). Damit dem Original ähnlich und auch so verschraubt werden kann,habe ich dann
    in die relativ starke Grundplatte 4 Gewindemuffen Rampa M5 eingedreht und zusätzlich eingeharzt. Somit kann ich die Bank mit Flügelschrauben schön fixieren. Das sie nicht braun ist, stört mich nicht weiters, es muss nicht alles in einer Linie sein.




    auch etwas Nettes, aber eher selten aufzutreibendes Teil, ein originaler LU Spiegel aus dem Zubehörprogramm
    in rechteckiger Form (erinnerte mich stark an die Brillen vom Style Council Frontman P. Weller)


    ...der kam aus Dänemark



    ein wenig Zuneigung und es passt schon


  • Die ersten VN Modelle waren noch ohne Bremslicht. Ab (ich glaube 56) wurde in Italien das verpflichtende Brems-
    licht bei den Hubraum stärkeren Maschinen eingeführt. Somit mussten bei der letzten Serie, dann nach bzw. umgerüstet
    werden. Bremslichtschalter wurde installiert und auch beim Bremslicht wurde zumindest die einfache Soffitehalterung
    gegen eine doppelte ausgetauscht.
    Es wurde aber vom Hauptzulieferer auch ein Rücklicht angeboten, mit abnehmbaren Rücklichtdeckel somit musste beim
    Soffite wechseln, nicht das komplette Gehäuse demontiert werden.



    Dieses originale Bremslicht von Siem (NOS) hat mich auch nicht mehr gekostet, als der selbige Nachbau aus der Garbor-Siem
    Repro-Serie. Eins kann ich aber mit Sicherheit sagen, qualitativ sind die originalen Leuchten der 50er Jahre mit der Nachbau-
    serie nicht zu vergleichen. Gleiches gilt auch für den Bremslichtschalter. Die billige und schwache Halterung des Reproteils allein, spricht schon Bände und nach dreimal Bremsen hast keine Funktion mehr des Schalters!

  • Nachdem meine zwei Mädels auch mitfahren wollen, habe ich jetzt noch Fußrasten für sie geordert.
    Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass sie die bis zur Fertigstellung dann gar nicht mehr benötigen.
    Kommen aus Rimini und eigentlich war das Porto teurer als das Teil selbst.



    und der originale "Pirelli" Reifen wartet auch bereits darauf als "optischer" Reservereifen montiert zu
    werden.




    stimmige Kleinteile liegen auch schon parat und werden verbaut


  • ..wenn Dir zu wenig Liebe im eigen Umfeld widerfährt, dann spinnst halt "Amore" woanders aus ;)


    @hedgebang..aber was anderes, sieht man sich morgen in Innsbruck?.....die brauchen dort beim
    Zusammentreffen der vielen autonomen Gruppierungen eh einen Veranstaltungsjuristen !

  • @125vnb6


    Leider nicht. Bin heute ab Mittag und morgen den ganzen Tag auf einer familienrechtlichen Fortbildungsveranstaltung. Da habe ich richtig Bock drauf. Scheiss 15 Stunden Pflichtfortbildungen... ||

  • Motor:
    Wie immer bei solchen Projekten, ist ein Hauptaugenmerk der Motor. Alte Motoren benötigen aufgrund ihres Alters
    ein wenig mehr Zuneigung. Daher mache ich auch immer eine penible Bestandsaufnahme. Davor wird der Motor
    allerdings ordentlich gereinigt und alle Anbauteile in einem brauchbaren Zustand versetzt. Ich halte auch absolut
    wenig von der oft zelebrierten Methode die Motorgehäuse zu strahlen um sie rein zu bekommen. Würde anschließend
    eine optische Veredelung anstehen, wäre es etwas anderes.


    Ich habe sicherlich schon einige Methoden probiert, aber momentan bin ich schwersten begeistert von der Backofen-
    spray Methode. Wie ich schon mal geschrieben habe, fällt da die extreme Geruchsbelästigung des Reinigungsmittels
    weg. Somit kann ich die Arbeiten getrost im Küchenbereich machen ohne großartigen Ärger zu bekommen ;) .
    Das Reinigen eines Motors dauert je nach Verschmutzungsgrad bei mir ca. 2-4 Std.
    Damit ist eigentlich auch erklärt, warum eine Motorüberholung in einer Werkstätte ggf. ein wenig mehr kostet!
    Einer der Hauptkosten der Arbeitszeit ist nun mal das Reinigen der Teile, auch wenn es dort deutlich professioneller
    und rascher passiert. Daher sollte man sich im vorhinein überlegen, in welchem Zustand man den Motor der Werkstätte
    übergibt.


    Das Demontieren der Schwinge war ein wenig mühsamer. Mit Wärme und Gewalt lies sie sich aber dann doch lösen.



    wichtiges Detail: Die Bremsnocke kann nur ausgebaut werden, wenn auch die Schwinge komplett demontiert ist. Ist aber
    meistens notwendig, weil dieses Teil aufgrund von Verschmutzungen bzw. Verrostungen sehr schwergängig ist.


    Teile welche vom Motor demontiere, werden eigentlich gleich gesäubert und wieder startklar gemacht. Beim Zerlegen ist mir
    aufgefallen, dass das Luftleitblech zw. Zylinder und Ansaugstutzen fehlt. War aber leicht aufzutreiben (gibt es auch im Nachbau).
    Allerdings aufpassen, die 125er unterscheiden sich von den 150er in den Abmessungen, daher genau schauen beim Suchen!




    Unabhängig ob ich so Teile wie Zündung dann auch verbaue, wird sie trotzdem gleich mal überholt. In der
    Regel trenne ich mich von original Teilen meiner Roller nicht. Wenn doch, sollte auch klar sein, dass eine
    überholte Zündung mehr kostet, als eine die direkt vom Gehäuse runter geschraubt wird ohne Funktionskontrolle!

  • ...du sagst es!


    Daher gilt gleiches auch für den Motorblock



    auch ein oftmalig unterschätztes Kriterium bei den Bremsen. Die 8" Bremstrommeln sind zugegeben nicht wirklich das Gelbe
    vom Ei. Meistens hapert´s aber dann noch, dass mit riffigen und verrosteten Trommeln und eventuell verglasten Belägen gefahren wird.
    Wenn man da ein wenig sorgfältiger ans Werk geht, die Trommeln bearbeitet (am Besten leicht ausdrehen lässt) und sich
    ordentliche Beläge gönnt dann bremst das Teil trotz originaler Bremsen um vieles besser.




    Gerne wird auch erklärt, dass der Stoßdämpfer für die Tonne ist, weil die Federwirkung nachlässt.
    Das mag im Einzelfall durchaus mal stimmen, in der Regel ist es aber eine undichte Dämpferpatrone,
    eine eingelaufene Kolbenstange und ein ausgehärteter Silentgummi schuld an verminderter Dämpferwirkung.
    Wer sich da ein wenig Mühe gibt, der hat nach einer Überholung des Dämpfers, wieder einen bestens
    funktionierenden Stoßdämpfer.
    Ich spekuliere bei dem Roller mit einem Pinasco - Dämpfer und Bollag Adapter, da die Teile
    aber keine Straßenzulassung haben, habe ich den Alten für die TÜV- Abnahme wieder frisch gemacht.