Verzweiflung: Neue PX80 zerlegt sich selbst.

  • Einen wunderschönen ihr Lieben!


    mein Name ist Tom, ich war vor zwei Wochen der Meinung, mir eine Schalt-Vespa anzulachen...

    ...und habe damit richtig tief ins Klo gegriffen.


    Es handelt sich um eine PX80 von '83 mit frischem 135er DR Satz und einigen weiteren Neuteilen (Dämpfer, Räder + Felgen, Cosa Kupplung etc.).

    Sie stand schön im O-Lack da, fuhr sich einwandfrei und begleitete mich schnell nach hause.


    So wie ich auf der Suche war nach einer Vespa, die mich hoffentlich erstmal 'n Jahr keine grauen Haare kostet, hätte ich nicht mehr daneben liegen können.

    60Km nach Hause gefahren, 20km auf der nächsten Ausfahrt und 1km von zuhause fliegt plötzlich irgendwas metallisches durch den Zylinder und nach 2 Sekunden durch den Pott - Leistungsverlust durch Kompressionsverlust, vorsichtshalber direkt ausgemacht und nach Hause geschoben.


    Das Ergebnis könnt ihr den Bildern entnehmen.


    Die marode Kurbelwelle hat sich scheinbar tlw. zerlegt (oder irgendwas rumgeschleudert), was letztlich den Kolben seitlich erwischt und den oberen Kolbenring zerschlagen hat. Letzterer hat sich dann in kleinen Stückchen durch den Zylinder in den Pott verabschiedet. Zylindergehäuse ist in Top Zustand, Kolben nicht mehr wirklich...


    Was meint ihr zur Kurbelwelle? Sieht interessant aus, hm? Und was hatte man wohl mit dem super professionell größer gefrästen Einlass vor? Bringt sicher drölf PS :rolleyes:


    Fakten:


    - Kurbelwelle hat kein Spiel

    - bisher nur Zylinder & Vergaser abgenommen

    - kein wirklicher Platz für die Scheiße, zwar Garage, aber voll...

    - Gehäusezustand von innen unbekannt, sieht soweit (bis auf den Einlass) intakt aus

    - Zylinderkopf unversehrt, der Mist war keine 200km verbaut

    - Originaler Motor mit Getriebe, 20er Vergaser und allem liegt bei (80ccm) -- Kurbelwelle sieht fast neu aus, Gehäuse unangetastet

    - kein Budget für's machen lassen

    - Den 80er Motor einbauen ist keine Lösung

    - ich hatte bis vor drei Wochen keine Ahnung von Vespas, kann mich aber gut in Sachen einlesen und passabel schrauben...


    Nun, ohne den Kladderatsch geöffnet zu haben und mit der Wahrsagerkugel vor Augen:


    - wenn Gehäuse unbeschädigt, neue Kurbelwelle und neuen Kolben reinklatschen?

    - oder alle Teile verkaufen und nen 200er Motor herbeizaubern? Einer Interesse? :/



    Beschädigte Grüße


    Tom

  • tja da hast aber nen schönen Haufen gekauft , Fakt ist dass der Motor offentsichtlich erst kürzlich offen war !

    (Sieht man an der Dichtung vom Motorgehäuse)


    Würde den Verkäufer kontaktieren und Kohle anteilig zurückfordern.


    Hoffentlich ist der Rest vom Roller nicht auch so verbastelt wie der Motor !

    Aus Gelben Säcken werden Plastikroller gebaut ...
    Lieber Sehnenscheidenentzündung vom Schalten als nen krummen Daumen vom Starten...
    2Takt Islamist

  • Moin CARDOC,


    scheint so... der Vorbesitzer hatte ihn wohl auch nur kurz und aus glaubhaften Gründen abzugeben, muss ja aber unbedingt davon gewusst haben, als er den Zylindersatz vor einem Monat verbaut hat. Bei Privatverkauf hat man ja grundsätzlich keinen Ansatzpunkt, da wird der sich mir aber schon rechtfertigen müssen.


    Der Rest ist top, sonst hätte ich sie nicht geholt... kein Rost (nur oberflächlich an wenigen altersbedingten Macken), nichts verzogen, nichts ausgeleiert. Auf jeden Fall eine gute Basis, um sie wieder gängig zu machen. Wenn auch mit Budget, das eigentlich nicht mehr da ist.

  • Du hast sehr wohl Möglichkeiten bei einem Privatkauf!


    Warum ist der 80er keine Alternative? Würde ihn probehalber reinhängen und fahren solange der andere Motor noch im Arsch ist. Alternativ könntest du dort nen anderen Zylinder verbauen

    Wenn man ehrlich ist: Im Winter fahren ist nur cool wenn man im Sommer von erzählt!!!!!!!

  • Würde sagen,dass entweder ein Stück vom Kolbenring rausgebrochen ist und den Schaden verursacht hat (evtl war der Zylinder nicht ordentlich entgratet) oder ein Clip vom Kolbenbolzen,den kann ich auf dem einen Bild des Kolbens nämlich nicht sehen.

    Würde auch fast behaupten,dass der Drehschieber nicht mehr ganz gut aussieht =O

  • Die einzige Möglichkeit wäre Arglist des Verkäufers. Beweislast liegt beim Käufer. Das durchzufechten benötigt Zeit, Kohle und ist nicht gerade von üppigen Erfolgsaussichten gekrönt.


    Wie sieht die Klausel zum Ausschluss aus? Viele sind anfechtbar bzw unwirksam.


    Es macht meiner Meinung nach Sinn, den VK im Dialog dazu zu bewegen, sich den Schaden zu teilen, wie CARDOC2001 vorschlägt. Ins Klo hat leider fast jeder schon gegriffen.

  • Du wirst ums Motorspalten nicht rumkommen. Erstens mußt du sicher ausschließen dass nicht noch irgendwo im Kurbelgehäuse Metallspäne/-teile rumfliegen und zweitens um den Schaden genau zu analysieren und einen Plan zu bekommen, was gemacht werden muß. Es gibt Betriebe die einen defekten Drehschieber aufschweißen und wieder planen, alternativ dazu ist Umbau auf Membranansaugung. Aber wie gesagt, ohne genaue Analyse des Schadensausmasses wird man nur Vermutungen anstellen können.

  • zumindest erstmal kontaktieren und den Fall sachlich schildern.


    Wie heißt es so schön Versuch macht klug !

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    2Takt Islamist

  • Danke für eure schnellen Antworten!


    Den Verkäufer werde ich auf jeden Fall sachlich darüber informieren und um einen Lösungsansatz bitten. Falls er das nicht so eng sieht, auch gerne schriftlich - da bin ich nun auch nicht ganz unerfahren.


    Er muss schlicht vom Zustand der Kurbelwelle und des Gehäuses gewusst haben. Dass diese zusammen nicht mehr lange halten sollten, war ohne Zweifel ersichtlich.


    Auf Membranansaugung wurde bereits umgebaut, Drehschieber nicht vorhanden. Auch davon wusste ich bei Kauf nicht, der VK hat mir dies nicht mitgeteilt oder die tollen "Tuningmaßnahmen" erwähnt. Die teils starken Beschädigungen an der Kurbelwelle sind definitiv älter als 80km, das lässt sich an den Ablagerungen erkennen.

    Der Motor muss in jedem Fall gespalten werden, Metallspähne haben sich richtig schön verteilt und die Kurbelwelle werde ich nie im Leben weiter verwenden. Richtig abgefressen.


    Den 80er Motor fit zu bekommen und einzubauen wird einen ähnlichen Aufwand wie die Instandsetzung des verbauten Motors mit sich bringen, von daher sehe ich keinen Mehrwert dies übergangsweise zu tun. Ich bin zum Glück nicht auf die Vespa angewiesen.


    Mal gucken, wie der VK sich anstellt.

  • Auf Membranansaugung wurde bereits umgebaut, Drehschieber nicht vorhanden. Auch davon wusste ich bei Kauf nicht, der VK hat mir dies nicht mitgeteilt oder die tollen "Tuningmaßnahmen" erwähnt. Die teils starken Beschädigungen an der Kurbelwelle sind definitiv älter als 80km, das lässt sich an den Ablagerungen erkennen.

    Ist denn irgendwas von den Umbaumaßnahmen einschl. 135DR in den Papieren eingetragen? Wenn ja, hast du einen Anhaltspunkt, wann die Veränderungen vorgenommen wurden. Wenn nein, dann hast Du eine für den Verkehr so nicht zulässige Vespa gekauft. Eventuell ein Ansatz, den Kauf rückgängig zu machen. Hängt halt vom Vertragsinhalt ab...


    gruß Robert

  • So, ich habe nun mal mit dem VK telefoniert...

    der hat sehr schockiert reagiert und hatte das definitiv nicht erwartet. Hat daraufhin direkt seinen Mechaniker angerufen und sich wieder bei mir gemeldet.

    Der komplette Motor war vor ca. 350km beim "Profi" - ein Zweirad Meister aus Köln, wie auch immer, und wurde für über 500 EUR frisch gemacht.


    Auftrag war dort, den gesamten Motor in fahrbereiten und einwandfreien Zustand zu bringen. Entsprechend wurde eine komplette Revision durchgeführt und in dem Zug Cosa Kupplung, andere Übersetzung etc. umgesetzt. Besonders interessant: der VK wusste auch nur, dass irgendeine "Membran" vom Meister vorgeschlagen wurde und dieser hat sie dann auch verbaut. Mein VK hatte aber wohl auch eben erst am Telefon erfahren, dass dafür am Einlass fleißig gefräst wurde und eine passende Kurbelwelle verbaut wurde (zwangsläufig, der Meister streitet das ab).


    Aber der Meister streite wohl auch alle "Tuningmaßnahmen" komplett ab, das hätte ja damit nichts zu tun.... nee is klar!


    Naja, ab Montag Nachmittag kann ich den Meister erreichen, habe die vollständigen Kontaktdaten vom VK bekommen. Der VK hat schließlich überhaupt keine Ahnung und nur fleißig Geld investiert.


    Dass ich da nicht viel erreichen werde, ist mir vollends bewusst. Ansprechen werde ich es trotzdem mit Freuden.


    Irgendwann nächste Woche dann Motor spalten und volles Ausmaß begutachten. Ick freu mir - nicht.
    ____________

    Rojoko der DR ist nicht eingetragen und das war mir auch bei Kauf unwichtig. Einbau-Zeitpunkt etc. ist wie oben beschrieben bekannt, wirkt sich aber letztlich nicht auf vertragliches aus. :-)
    Auf aktueller Basis hat mir der VK tatsächlich aus bestem Gewissen eine frisch revidierte Vespa verkauft. Hätte ja auch alles gepasst, wenn nicht...


    - Tom

  • Alles etwas undurchsichtig. Schade, dass Dein Start so holprig ist.


    Ein Gutes kann ich in dem ganzen Ärger doch erkennen: Du lernst schlagartig Dein Fahrzeug kennen, scheinst ja auch trotz fehlender Erfahrung technisch versiert zu sein, und wirst in Bälde einen funktionierenden Untersatz haben. Die besten Motoren sind die selbst gemachten. Ich traue auch nur den Motoren, die ich selbst gemacht habe.


    Wenn Du anfängst, dann poste einfach, Hilfe bekommst Du sicher.


    Viel Erfolg!

  • Also den Auftrag und die Rechnung würde ich mir zeigen lassen.Und für "über 500,- " eine Motorrevision einschließlich aufmotzen - und auf die Idee ist der "Meister" sicher nicht von alleine drauf gekommen - erscheint wenig überzeugend.

    Und wenn der DR nicht eingetragen ist, sorry, das geht mit dem Verkäufer heim, wie auch immer. Und wenn er Dir "im besten Gewissen" eine nicht straßenverkehrskonforme Vespa verkauft hat, dann ist das nicht Dein Problem.

    Also wenn Du da hart bleibst, kommst Du aus dem Vertrag raus. aber das mußt Du schon selbst wollen und durchziehen.

    Ich denke, ich kanns beurteilen, sowas war früher mal mein metier...


    gruß Robert

  • mono

    Hat den Titel des Themas von „Vorstellung & Verzweiflung: neue PX80 zerlegt sich selbst.“ zu „Verzweiflung: Neue PX80 zerlegt sich selbst.“ geändert.
  • Danke für den Zuspruch Menzinger !

    Da hast du absolut recht - am besten macht man alles selbst. Dann kann man im Zweifelsfall wenigstens grob abschätzen, wann das Pulverfass unter einem hochgeht. ;) Hatte bisher zumindest mit KFZs und KRADs immer Glück, nun wurde das auch mal auf die Probe gestellt. Solange sich die 1600er Superglide nicht ähnlich zerlegt, ist alles in Butter.


    Auftrag und Rechnung werde ich anfragen. Besagter Zweirad Mechaniker wird auch an 1-2 Stellen hier im Forum erwähnt, jedoch bisher nicht negativ. Belasse ich auch erstmal dabei.

    Rückgabe ist auch keine elegante Lösung für mich. Der VK würde sich ordentlich quer stellen, ich müsste das Ding irgendwie wieder nach Köln schaffen und für den gleichen Ausgangsbetrag werde ich wohl schwer etwas sinnvolleres finden.


    Die Vespa ist eine tolle, rostfreie Basis, die mir zudem sehr gefällt. Habe ja auch nen ganzen Haufen Teile bei, den ich noch verwerten kann.

    Ich denke, mit etwa 400 EUR Materialeinsatz werde ich schon sehr weit kommen.


    Wie gesagt, nächste Woche wird das Ding geöffnet und dann entscheidet sich, ob das Gehäuse mit Membranumbau bleibt (neue Kurbelwelle muss dann, sofern Gehäuse nicht zu stark beschädigt) oder ob ich in das originale, unberührte PX80 Gehäuse umbaue (Getriebe und Kupplung müssen rüber, Revision ebenso fällig). Danach werden Teile bestellt.


    - Tom

  • Wenn du dich so entschieden hast, ist das doch in Ordnung. Nimm den alten 80er und steck ihm einen 135Dr drauf. Nach Revision hast du dann was Schönes zum Fahren. Mit 400 solltest Du hinkommen.


    Gruß Robert

  • Der gefräste Einlaß... sieht so aus, als ob hier diese flache "LML-Type" Membran zum Einsatz kam, die man unter die Vergaserwanne schraubt.
    Ich nenne sie der Form und der mangelhaften Funktion wegen "Flachwichser-Membran", weil das blöde an ihr ist, daß sie viel zu früh zu flattern anfängt - die Membranblättchen liegen nämlich genau horizontal im Gasstrom und das ist extrem ungünstig...wirkt wie eine Drossel...die macht ca. 6000 rpm, dann riegelt der Motor ab...selbst schon erlebt...


    Da hat der "Meister" schon die Wahrheit gesagt, er hat nix getunt! Denn Tuning bedeutet ja, daß der Motor danach besser läuft. Mit der "F.-W.-Membran tut er das aber nicht... es wurde nur versucht, das ganze von aussen billig wieder instandzusetzen, damit man das Ding verhökern kann.
    Die F.W.-Membran taugt nur bei langsam laufenden Motoren etwas, also bei den 4-5 PS Zylindern wie sie in VNB/VBB etc... verbaut sind.


    Bei dem abgekackten Kolbenbolzenclip würde ich vermuten, daß hier jemand die falsche Sorte eingebaut hat, denn die DR's brauchen ja die Drahtring mit rundem Querschnitt...wenn da nun der normale Seegerring aus flachem Stanzblech drin war, ist der dann wohl rausgerutscht...wenn's da irgendwo noch Brocken gibt, wäre das witzig rauszufinden, ob es so war.

    Nebel zieht in dichten Schwaden übers Moor von Forest Hill.
    Grün gespenstisch glänzt ein Irrlicht. Es ist Nacht in Baskerville.
    Cindy und Bert, 1970

    Einmal editiert, zuletzt von jack o'neill ()

  • Moin, bei mir ging's jetzt auch endlich mal weiter...


    die Motoren liegen nun beide offen und zeigen ihr wahres inneres. Ich fasse zusammen:


    Eingebauter Membranmotor (nicht Originalmotor)

    • Getriebe top & ohne Verschleißerscheinung
    • Kupplung neuwertig, Cosa Kupplung mit passendem Deckel
    • Bremse top
    • Einlass an der Kurbelwelle noch viel schlimmer gefräst als bisher angenommen (siehe Bilder)
    • Kurbelwelle echt ordentlich ausgeschlagen
    • Massiver Fraß durch Kurbelwelle am Gehäuse (siehe Bilder)
    • ein Kolbenbolzen-Clip fehlt vollständig (erklärt die Spuren am Kolben)
    • der andere hat sich tlw. zerlegt, die Reste zeigen deutlich einen Clip, der nicht beim DR standardmäßig mitgeliefert wird


    Originalmotor Drehschieber

    • Motor vollständig bis auf Kupplung
    • Drehschieber 100% in Ordnung
    • Kurbelwelle nicht ausgeschlagen
    • Bremse und Gangräder müssten rüber gebaut werden aus Membranmotor (besserer Zustand)
    • nichts gefräst oder modifiziert
    • einiges an Schmodder, viele Oberflächen zu reinigen, da er lange offen lag


    Die Bilder der Schäden sprechen für sich.


    Kurbelwellengehäuse vorsichtig schleifen und mit neuer Kurbelwelle bestücken? Oder lieber Finger von lassen und Drehschieber wiederbeleben?

    DR 135 Satz (neu) liegt schon bei mir.


    Muss heute noch Teile bestellen.


    - Tom

  • Alter sieht der Einlass aus.... Ackerfräse genommen oder was hat der "Mechaniker" da ??

    Das größte Glück der Frau auf Erden, ist Bügeln und gebügelt werden. - Arthur Schopenhauer



    Nunja, darüber lässt sich manches mal durchaus streiten