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Beiträge von bingele28

    Frührente - Brief von Hans

    Ich heiße Hans. Lassen Sie mich erklären, wie ich die Situation bei uns
    zu Hause geregelt habe. Nachdem ich letztes Jahr meinen Job bei Siemens
    aufgeben durfte und mit einer stattlichen Summe in Frührente geschickt
    wurde, musste meine Frau auch noch mal ran. Zusätzlich zu ihrem 400 Euro
    Job als Putze bei der Pension gegenüber, arbeitet sie jetzt noch
    ganztags bei Penny an der Kasse und im Lager. Das hat den Vorteil, dass
    wir uns die Zusatzversicherungen für mich auf jeden Fall leisten können.
    Dinge wie Chefarzt, Einzelzimmer, Zahnersatz und so weiter... Allerdings
    musste ich nach ein paar Wochen Frührente feststellen, dass das Alter
    meiner Frau nicht sehr gnädig ist. Ich komme so gegen sechs Uhr abends
    vom Tennisclub oder seit kurzem auch mal vom Golfplatz heim. Um diese
    Zeit ist sie dann auch gerade zuhause. Obwohl sie weiß wie hungrig ich
    bin, sagt sie mir dann, sie müsse sich erst mal eine halbe Stunde
    ausruhen. Der Weg vom Bahnhof dauert zu Fuß so um die 30 Minuten, wenn
    man zügig geht etwa 25 Minuten. Das sollte doch zur Erholung genügen.
    Egal. Ich rege mich ja gar nicht auf. Ich lege mich also inzwischen auf
    die Couch und sage ihr sie soll mich wecken, wenn das Abendessen auf dem
    Tisch steht. Da ich entweder im Golf- oder im Tennisclub zu Mittag esse,
    können wir es uns nicht leisten auch noch am Abend zum Essen zu gehen.
    Außerdem geht nichts über deftige Hausmannskost in den eigenen vier
    Wänden, oder?
    Früher war es nun so, dass sie das Geschirr gleich nach dem Essen in die
    Küche brachte und alles aufräumte. Heutzutage dauert das Ganze ein
    bisschen länger. Ich erinnere sie immer wieder höflich dran, dass die
    Teller nicht von alleine in die Küche und den Geschirrspüler wandern und
    manchmal wirkt das sogar und sie schafft alles weg bevor sie ins Bett
    geht. Ein weiteres Symptom dass sie älter wird ist das ewige Genörgel.
    Auf einmal jammert sie rum, dass sie es nicht mehr schafft sich auch
    noch um die Zahlungen und die Haushaltskasse zu kümmern. Dabei hat sie
    jeden Tag 25 Minuten Mittagspause! Aber Jungs, ich sage nur: In guten
    wie in schlechten Zeiten! Also lächle ich und spreche ihr Mut zu. Sie
    muss ja nicht alles an einem Tag machen. Dann dauert es halt mal 2 oder
    3 Tage, bis die Finanzen wieder in Ordnung sind. Dann passieren auch
    keine Fehler. Ich habe sie auch daran erinnert, dass man ruhig mal ein
    Mittagessen ausfallen lassen kann, das würde ihr auch nicht schaden. Ich
    glaube kaum, dass man ihre beginnende Fettleibigkeit taktvoller hätte
    ansprechen können.
    Aber selbst bei den einfachsten Arbeiten lässt sie inzwischen nach. Zum
    Beispiel, wenn sie unser Haus putzt. Früher als die Kinder noch da waren
    und mithalfen, hat sie das an einem Samstagvormittag locker geschafft,
    jetzt dauert es oft bis zur Sportschau. An den Wochenenden bin ich
    meistens zu Hause und wenn ich dann von der Couch aus sehe, wie sie sich
    abquält sage ich ihr schon mal, dass sie ein Päuschen vertragen könnte
    und sich einen Kaffee machen soll und mir auch gleich einen bringen
    kann. Ich weiß, dass viele meiner Freunde beim Tennis und Golf mich für
    einen Heiligen halten, weil ich meine Frau so unterstütze.
    Ich sage nicht, dass es leicht ist! Manche Männer können so etwas
    überhaupt nicht und sind richtige Machos. Und keiner weiß besser als
    ich, wie frustrierend Frauen im Alter werden können. Ich kann meinen
    Leidensgenossen nur zurufen: etwas mehr Takt und weniger Kritik
    gegenüber ihren Frauen auszuüben. Ich habe diesen Brief geschrieben,
    weil ich glaube, dass wir auf dieser Welt sind um uns gegenseitig zu
    helfen und ich hoffe damit einigen anderen die Augen geöffnet zu haben.
    Euer Hans
    *Anm. d. Red: Hans starb plötzlich und unerwartet. Laut dem Polizeibericht war die Todesursache ein Golfschläger, der bis zum Griff in seinem After steckte. Seine Frau wurde von der weiblichen Jury vom Mordverdacht frei gesprochen. Ihre Anwältin hatte argumentiert, dass Hans sich versehentlich auf den Golfschläger gesetzt haben muss.

    Nö! Da geh ich lieber biken!
    Wenn schon Indoorsport, dann reicht auch die Trainingsrolle im Keller...

    Der User unter mir holt sich jetzt auch noch ein Heißgetränk (Kaffee, Tee, Kakao - nichtzutreffendes bitte streichen) und frühstückt im Büro.

    Aber es ist doch nur sozial, wenn alle das gleiche Recht auf mehr Arbeit haben.
    Wenn auf einmal körperlich Arbeitende anders eingestuft werden, würden dann vielleicht nicht so viele in Büros rumlümmeln, sondern mal ordentlich was arbeiten...
    ... oder Lochen, Tackern und Tippen wird als körperliche Arbeit eingestuft.

    Wie günstig, dass es da keine Auswirkungen hat, wenn man bei der Arbeit seinen Kopf einsetzt - nein, ich meine nicht die Fußballer!

    Für so eine Anhebung wird bestimmt wieder eine neue Grenze erdacht, ab der das gilt.
    Deutschland als Land des Burn-Out-Syndroms wird dann bestimmt auch die Auswirkungen auf die Krankenkassen und Versicherungen erleben.

    Die Firma in der ich arbeite zieht nächstes Jahr in ein anderes Gebäude, direkt neben dran ist das Alters- und Pflegeheim ;)