Es hilft natürlich überhaupt nicht zu meckern, dadurch wird nichts besser. Und dass die Zugbegleiter viel viel Ärger abgekommen für Mißstände, die andere hochbezahlte Manager über Jahre systematisch verursacht haben, ist sicher auch falsch, ungerecht und nicht zielführend.
Aber dennoch habe ich auch vollstes Verständnis für Bahnreisende, die überhaupt keinen Humor mehr für die Dienstleistung Eisenbahn übrig haben. Ich gehöre dazu...
In meinen letzten 15 Berufsjahren war ich sehr regelmäßig auf Dienstreisen, oft 15-20 Reisen im Jahr, d.h. ungefähr 30-40 Zugfahrten. Und wenn von 40 Zugfahrten ungefähr 35 schief gehen, man irgendwo "strandet", dienstliche Termine in die Hose gehen oder was auch immer, ist das auf Dauer einfach nur zermürbend. Wenn die Arbeitswoche z.B. damit beginnt, dass man mittags einen Termin in Flensburg hat, Ticket mit Platzreservierung am Tisch um mit den Kollegen den Termin vorzubereiten und der Waggon fehlt. Keine SItzplätze, keine Möglichkeit noch etwas vorzubereiten. Aber sind ja nur 5 Stunden. Wenn auf einer Zugfahrt nach Hamburg direkt 2 Züge zusammenbrechen. Wenn man im Zug sitzt, sich nach einer stressigen Woche auf das WE freut und man zufällig 200km vor zuhause auf dem Bahnsteig die Anzeige liest "Zug endet hier". Keine weitere Info für die Fahrgäste. Und das immer und immer und immer wieder. Wenn nach so einer Panne ein ganzer Zug sich verteilen muss auf einen Nachfolgezug und die Zugleiterin Fahrgästen droht, sie von der Polizei aus dem Zug entfernen zu lassen, weil sie mit ihrem 2. Klasse Ticket in der ersten Klasse eingestiegen waren weil in der zweiten Klasse einfach kein Platz mehr war. Zugteile die sich nicht ankoppeln lassen. Zugteile die sich nicht abkoppeln lassen.
Nochmal - mir ist klar, dass es auch dann weder zielführend noch gerecht ist, Personal anzuschnauzen. Aber - das ist auch oft dem Personal nicht klar, z.B. wenn es mit der Polizei droht oder einen fragt, woher sie wohl wissen sollen, wie es weitergeht....
Ich bin einfach nur froh, dem Zwang mit der Bahn zu reisen entkommen zu sein