Ich bin immer wieder aufs Neue entsetzt, wie widerlich und simpel Menschen sein können.
Ich bin gestern in Düsseldorf in den für mich glücklicherweise leicht verspäteten ICE nach München gehüpft. Zu diesem Zeitpunkt waren alle ICEs auf dieser Route wegen Personen im Gleis leicht verspätet.
Kaum im Zug ging das Gemecker über die Bahn los. Der Mensch in der Reihe neben mir war besonders leidenschaftlich. Einer Mitfahrerin und mir wurde es dann irgendwann zeitgleich zu viel und wir wiesen darauf hin, dass die Bahn für Rübennasen auf den Schienen nichts kann.
In Frankfurt bekam er neues Futter. Dieser ICE und der Gegenzug fuhren auf den jeweils anderen Gleisen ein, der Lokführer für meinen ICE stieg in den falschen Zug weil die Anzeigen nicht aktualisiert waren und wir hatten nochmal mehr Verspätung. Ok, dieses Mal war es die Bahn. Aber das Meckerkonzert schwoll wieder an.
In Würzburg kam die Durchsage, dass man Nürnberg wegen der langen Fahrtdauer leider das Bordrestaurant schließen muss. Mein Reihennachbar war wieder ganz vorne dabei. Mein Hinweis, dass Par. 3 Satz 2 ArbZG auch für das Personal des Restaurants gelten würde, brachte mir Beschimpfungen ein, dass ich wie ein Schaf dem Mainstream folgen würde. Einfallsreich.
Mittlerweile waren auch immer mehr Toiletten außer Betrieb genommen worden. Sie waren entweder vollgekotzt, verraucht oder vollgeschissen.
In solchen Momenten zweifle ich daran, dass die Menschheit überlebensfähig ist. Wir sind gut in München angekommen und wären noch viel besser gefahren, wenn sich viele Mitfahrer rücksichtsvoll verhalten hätten. Eine Zugbegleiterin hatte auf dem Bahnsteig in München Tränen in den Augen. Ich habe mich wirklich geschämt.
