Anknüpfend an Marios Botschaft und ergänzend zu meinem Beitrag, liegt es natürlich in der Natur der Sache, daß der Aufwand, eine Automatik am Laufen zu halten mit etwas mehr Anstrengungen verbunden ist.
Sei es auf der monetären Seite, weil einfach die noch auf dem freien Markt erhältlichen Teile allein schon deshalb etwas teurer sind, weil die Stückzahlen nie so hoch waren wie bei den normalen kleinen Rahmen und deshalb die gefertigten Stückzahlen der Ersatzteile dementsprechend niedriger sind.
Stückzahl senkt den Preis, so einfach ist das.
Für die typischen OEM-Hersteller oder Nachbauer haben die Automatik-Ersatzteile wenig Reiz oder sie lassen es sich zahlen. Da ist man bei einer Schaltvespa oder einem Scooter im Schlaraffenland unterwegs dagegen allein aufgrund der verkauften Stückzahl an Fahrzeugen.
Aktuell fertigt zum Beispiel kein Hersteller eben diese von Mario erwähnten Kappen für die Variorollen als Ersatzteil im Spritzgußverfahren wie im Original.
Alternative: Aus dem Vollen gedreht. Und da sind 1,50 Euro Einkaufspreis bei Losgröße 1000 schon fast obszön günstig als Lohndrehgeschäft.
Wenn da einer auf die Idee kommt, das mit den Preisen für Variorollen für Scooter zu vergleichen, der muß einfach Abstand zur PK Automatik nehmen. Das eine ist Massenware, das andere ist eben eine PK Automatik. Punkt.
Und neben der monetären Seite als Anstrengung ist eben das persönliche Engagement, das man mitbringen muß.
Auch das hat Mario indirekt erwähnt. Man kann auch viel reparieren, sich selber kümmern, auf Suche gehen, aktiv werden, hier fragen, etc.
Über das alles muß man sich im Klaren sein und es wollen, dann wird man, zumindest aus meiner Sicht, mit einem einzigartigen Fahrzeug belohnt.
Aber, nun spanne ich den Bogen wieder zu einer meiner Aussagen: Es ist nicht mehr oder weniger Engagement notwendig wie bei jedem anderen etwas seltenerem Fahrzeug.
Und lustigerweise driften gerade Schritt für Schritt (man staune) die ersten modernen italienischen Scooter in diese Nische ab. Für die ersten Sfera NSL gestaltet sich die Suche nach Teilen auch schon etwas schwieriger und es gibt auch nicht mehr alles neu ohne Weiteres.
Eigentlich ist eine Schaltsmallframe eher ein ganz unglückes Beispiel. Aufgrund ihrer Stückzahl und ihrer zahlreichen Anhänger existiert einfach ein Riesenmarkt für OEM-Anbieter und Dritte, diesen zu bedienen.
Die klassische Schaltvespa ist ersatzteilmäßig komplett aus der Reihe bezüglich dieses Überangebots.
Für ein Fahrzeug mit 30+ an Jahren auf dem Buckel ist die angestrengte Ersatzteilsituation der Automatik bezüglich Preis und Verfügbarkeit eher als normal anzusehen.
Die überfrachtete Ersatzteilsituation für eine Schaltvespa ordne ich selbst eher als fast schon krank schlaraffig ein.
Aber das ist halt Angebot und Nachfrage...
Meine Meinung. Im Kern nix anderes als der Inhalt meiner Autosignatur.
Und deshalb mein ganz klarer Appell an den Fragesteller, nimm dich deiner Vespa an, steh über manch kursierende, teilweise belächelnde Aussagen bezüglich der PK Automatik und herzlich willkommen im kleinen aber feinen Kreis der Vespa Automatikfahrer!
Der Fokus verschiebt sich.
Als Automatikfahrer kriegt man keine Gefühlsausbrüche, wenn gerade "O-Lack" durchs Dorf getrieben wird und jede rostige Delle am Rahmen sorgsam konserviert wird, Chemie aufgefahren wird, um überlackierte Italienimporte von Übertünchungen in ihren vermeintlich dem Alter gerechten Ursprungszustand zurück geführt werden, nur um nachher unter das sorgsam "in Originalzustand" zurückgeführte Kleid einen technischen Umbau zu implementieren, der sowas von neben dem Original ist bis hinzu eingetragenem Maxialtuning mit Langhub und Ringeltröte, die einen Vollcrossfahrer der 80er vor Neid erblassen lassen würde...
Unter sorgsam geöltem Rost wohlgemerkt...:-)
Dieser Trend geht auch mal vorbei, keine Angst. So alt ist der auch noch nicht und genausowenig nachhaltig wie Schlaghosen.
Auf die Idee, den Rahmen einer Automatik in den vermeintlich angemessenen "ich habe gelebt" Zustand zurückzuführen, nur um ihn dann peinlichst zu konservieren (was für eine Ironie.. als wäre eine Smallframe eine Villa in Pompeji...) kommen wir Automatikfahrer nicht, wir haben die Erhaltung der Technik im Fokus.
Wunderschön und weit weg von dem aktuellen "O-Lack"-Trend finde ich Volkers Automatik der ersten Generation für seine Frau. Liebevoll selber lackiert in dem Ton, der seiner Frau gefällt, schöne Sitzbank drauf und mit Hilfe von Mario die restlichen technischen Details geklärt. Das Ding wird zur Freude seiner Frau noch viele Jahre laufen, obwohl es eine alte, noch etwas ominösere Hydraulikautomatik ist.
Sie wird einfach laufen und gut dabei aussehen.
Meine Kiste hat der unheimlich sympathische junge Vorbesitzer einfach mal zerlegt, alle Teile strahlen und schwarz pulverbeschichten lassen und nie wieder zusammengebaut. Das habe dann ich gemacht. Das Ding war mal weiß offenbar. Ich finde das ganz witzig und sie bleibt so und ich halte sie am Laufen. Wobei am Laufen halten bei mir ein Sonderfall ist mit meinem Spezialprojekt, aber das ist etwas anderes...
Seit 2009 schau ich nach der Technik und optisch gefällt sie mir so. Wenn sie mir mal nicht mehr so gefällt, wird sie umlackiert. Fertig.
Nach diesem Wort zum Samstag fasse ich nochmal zusammen:
Fahr die Kiste, schau nach ihr und erhalte sie und nehme in Kauf, daß du auf Ebay und Amazon nicht jedes Teil findest. Aber fahr die Kiste und genieße sie!
Der Tag wird kommen, wo es mehr Automatik-PKs gibt, die mehr dem Originalzustand entsprechen, als Schaltwespen. Einfach deshalb, weil es für Schaltvespas jeden auch nur erdenklichen Scheiß gibt, um sie umzubauen.
Im Gegenzug dafür gibt es viele Schaltwespen, deren Rost sorgsam konserviert wurde, deren Historie aber durch den O-Lack-Trend und das "technische Update" eliminiert wurden...
Viele Grüße,
Paddy.