Ich persönlich denke schon, daß selbt bei ungepaarten Schalen die Lagerflucht passt, wobei ich natürlich die Fertigungsreihenfolge nur mutmaßen kann.
Der erste Schritte bei der Bearbeitung der Hälften ist sicherlich die Dichtebene.
Dann werden die Zentrierungen gesetzt (Passbohrungen).
Dazu werden entweder in der gleichen Aufspannung der Passbohrungen die Lagersitze bearbeitet oder danach, aufgenommen in den Passbohrungen.
Das Bohrbild aller Querbohrungen wird sicher passen, etwas abhängig, in welcher Reihenfolge sie bearbeitet werden. Also auch das, was du "Lagergassen" nennst.
Lediglich die Tiefenmaße können differieren, weil die abhängig von der Dichtfläche sind, ergo das Axialspiel.
So, und nun sind wir bei der Bearbeitung der Zylinderaufnahme, die dann im gepaarten Zustand stattfindet. Erst ab da macht die Bearbeitung gepaart wirklich Sinn.
Da können Differenzen bei der Bearbeitungstiefe ausgehend von der eben gezogenen Dichtfläche der Hälften ihre Wirkung entfalten.
Zu erwarten sind eigentlich bei ungleich gepaarten Hälften Abweichungen in Richtung senkrecht zur Dichtfläche (Weite zwischen den Lagerungen) zwischen den Hälften und Höhendifferenzen auf der Dichtfläche des Zylinderfußes.
Alles andere würde keinen Sinn ergeben, wenn man gegossene Aluteile bearbeitet und paart.
So mal meine Einschätzung.
Gruß Paddy.
P.S.: Sofern ich ein gepaartes Gehäusepaar zum Nachmessen offen auf der Hand hätte, traue ich mir zu, es nur durch Nachsetzen paaren zu können, sofern man keinen Aufwand scheut. Die Bohrungen der ganzen Sitze zueinander werden immer stimmen, sonst hätte Piaggio niemals große Stückzahlen fertigen können...
Was nicht heißt, daß ich das jetzt als Dienstleistung machen will, es geht nur darum, aufzuzeigen, daß ungepaarte Hälften nicht perse zu verteufeln sind.