Glaubt mir, ich hätte zuweilen gerne meine Ape im Stall.
Aber der Stall, den ich dann letztlich zu meinem zweiten Wohnzimmer mit allen Annehmlichkeiten umgebaut hatte, war von Anfang an nur für maximal Zweiräder als Schraubobjekte konzipiert. Selbst wenn ich wöllte, wäre es bautechnisch mittlerweile schlecht realisierbar...
Aber man soll ja niemals nie sagen....
Aber zurück zum Thema Kurbelwelle. Ich habe etwas gegoogelt, wollte es ursprünglich komplizierter machen, habe mich dann aber für die verhältnismäßig simple Version eines Kurbelwelleneinziehwerkzeug entschieden, die man so unter dem Markennamen Egig kaufen kann.
Natürlich wurde meines schöner und natürlich komplett aus Edelstahl und natürlich technisch besser. Bei dem käuflichen Teil (offenbar nur verzinkt, wie popelig...) baut man den Zug über eine Mutter auf. Meine Variante kann natürlich sowohl (SW 27) als auch betrieben werden.
Dazu habe ich einen 8 mm Schwengel aus VA mit VA-Schrauben quer in die Zughülse verschieblich eingesetzt. Weiter habe ich ein feines Gewinde mit 20x1 und kann bei Bedarf die Reibung zwischen Zug- und Druckhülse minimieren mit einem Axialdrucklager, das einfach eingesetzt werden kann.
Mit dem Lager sollte dann auch eine größere Überdeckung allein mit dem Schwengel gezogen werden können, ohne einen Schlüssel nehmen zu müssen.
Der Gewindedorn hat wie bei dem käuflichen Werkzeug an jedem Ende eine Schlüsselweite, damit er auf das Polradgewinde geschraubt werden kann und an den Enden ist jeweils einmal M12x1,5 für 20er Konus und einmal M10 für 19er Konus.
In Verwendung habe ich in meinem Fuhrpark ja beides:
Chic, gell? ![]()
So, jetzt muß ich mal vielleicht erklären, warum ich aus dem Lima-Lager so eine Baustelle mache.
Mein erster Motor war der aktuell verbaute Ape-Motor vor 5 Jahren. Was macht man so, man schaut auf Youtube nach Videos, wie man so einen Motor zerlegt und wieder zusammensetzt, weicht ggf. leicht davon ab, weil man es nicht anders kann oder es einem nicht so ganz gefällt.
Alles soweit in Ordnung, nur hat mich der Preßsitz an der Limaseite damals kolossal gestört.
Ich bin Maschinenbauer und technisch gesehen ist das komplett daneben als Loslager, so wie Piaggio das realisiert hat. Zieht man die Welle vorher in die kleine Hälfte, gibt es beim Zusammenbau entweder Zug oder Druck auf die Kurbelwelle, je nach dem, wie weit man die KW ins Lager gezogen hat und wo das Lager liegt. In der Regel kriegt sie Zug.
Und dieses rund eine Hundertstel Überdeckung ist halt eine Preßpassung, fertig. Technisch ist das einfach scheiße. Da gibte es die tollsten Dinger wie "Setzschlag" und so Zeug, den glaube ich Piaggio sogar selber irgendwo in einer Anleitung mal beschrieben hat. Oder es bleibt halt mit der Spannung so in der Hoffnung, das setzt sich dann irgendwie im Betrieb.
Es ist halt kein Loslager und die Kurbelwelle ist eigentlich nichts, was man stauchen oder ziehen sollte.
Deshalb hatte ich bei meinem selber gebastelten Automatikmotor auch eine ETS-Lagerung gemacht. Mag sein, daß das andere Nachteile hat, aber es ist ein vernünftiges Loslager.
Bei meinen anderen Vespas habe ich durch abziehen des Limaseitigen Sitzes einen Schiebesitz verwirklicht. Auch eine klar definierte Sache.
Ich kenne halt beruflich einige seltene Ausfälle, bei denen ein Schiebesitz eines Innenrings von einem Rillenkugellager in Mikroschritten mitgedreht und den wellenseitigen Lagersitz beschädigt hat.
Das Problem ist halt, einen richtigen Schiebesitz, bei dem man von Hand das Lager drauf schieben kann, sind halt mind. 1 Hundertstel Luft im Durchmesser, eher 2.
Bei den ganzen Wellen, die ich bisher verbaut habe in der Orange, Olive und in der XL2 von meinem Schwager ist das eigentlich egal. Die kosten so knapp 200 Euro oder so.
Bei diesem Motor wollte ich eigentlich auch eine ETS-Lagerung bzw. irgendeine Zylinderrollenlagerung machen, aber der 20er Stumpf gepaart mit der Reduzierung der Lagerbreite auf 12 mm wegen der Reparaturhülse für den Wedisitz war das nicht mehr möglich ohne weiteres.
Es gibt keine Lager mit 12 mm Breite und zylinderförmigen Wälzkörpern. Mit einem 25er Stumpf ala DRT- oder SIP-Welle hätte es da Möglichkeiten gehabt.
Hätte der Lagersitz weiterhin 14 mm, hätte es auch Lösungen gegeben. 12 mm Breite und 20 mm Innendurchmesser gibt es einfach nix...
So, nun bin ich wieder in dem Dilemma mit einem Rillenkugellager auf der Limaseite und einer teuren Kurbelwelle, deren Lagersitz ich nicht kaputt machen will, ich aber auch kein Lager mit 0,01 Überdeckung auf die Welle machen werde aus den beschriebenen Gründen.
Ich habe mich nach ewig langem Überlegen nun dafür entschieden, mich an die Empfehlung von Lagerherstellern zu halten für Loslager.
Die Empfehlen letztlich eine Übergangspassung. Dadurch sitzt der Innenring hinreichend fest und das Durchdrehen ist sehr unwahrscheinlich, aber es können auch Spannungen abgebaut werden.
Leider kann man eine Übergangspassung nicht so ganz einfach montieren, das stockt halt doch ordentlich und bei der ganzen Montage der kleinen Hälfte mit Dichtung, einfädeln Nebenwelle und Verzahnung und so weiter dann doch etwas hinderlich.
Also brauche ich nun doch ein Einzugswerkzeug. Und das habe ich jetzt gebastelt.
Die Kurbelwelle hat 50 Mikrometer Übermaß, das Lager 50 Untermaß. Ich hone das neue Lager nun nächste Woche um ein Hundertstel auf und dann liege ich im Korridor der Lagerhersteller für ein haltbares Loslager. Das kriegst du dann von Hand nicht geschoben.
Und dann nagel ich den Motor zusammen...![]()
So, jetzt wisst ihr, warum ich um den limaseitigen Lagersitz mit einem Rillenkugellager so eine Aufriß mache. Das kommt halt raus, wenn ein Ingenieur zuviel Zeit zum Nachdenken hat...Der wird zum Bedenkenträger...![]()
Gruß Paddy.
