Hallo Ante,
dieser Schieber ist in meiner P80X auch verbaut. Einen erkennbaren Vorteil der fehlenden Ecke spüre ich aber nicht. Allerdings fehlt mir auch der direkte Vergleich zu einem mit Ecke.
Und jetzt, die angedrohte Horrortheorie

es geht in die Ödnis blanker mathematischer Theorie nach Bernoulli und Venturi. Diesem Ausflug gebe ich mal den Untertitel:
Entdeckungstour mit Bernoulli
Gleich vorweg sei die Einschränkung dieser Betrachtung genannt: es ist mir nicht möglich den SI-Vergaser zu berechnen bzw korrekt theoretisch darzustellen. Dazu müsste man mit Schwingungsrechnungen mit Gasen oder was auch immer umgehen können. Die Luftgeschwindigkeiten im SI werden so groß, dass dort keine der mir bekannten Formeln für Bernoulli oder Venturi passen. Vermutlich kommt die Luft im Vergaser bis hin zu Geschwindigkeiten nahe der Schallgrenze. Vielleicht ist ja auch eine "Fehlzündung" im Vergaser einfach nur ein Schallmauerknall.
Meine Kenntnisse beschränken sich auf Bernoulli und Venturi in Flüssigkeitssystemen. Daher muss ich den Vergaser durch ein "gedankliches Flüssigkeitssystem" mit ähnlicher Konstruktion ersetzen und dabei versuchen Rückschlüsse auf "Einzelzustände" im SI zu ziehen.
Ich werde mich vorwiegend auf Bernoulli beziehen da wir im SI sowieso keinen so schönen Venturivergaser haben und daher die Verhältnisse einer Venturidüse nicht schön darstellen können?
Bernoulli mit seiner Energiegleichung:
Geodätische Höhe + Druckhöhe + Geschwindigkeitshöhe + Verlusthöhe = konstant
finden wir aber an jeder Ecke unseres Ersatzsystems. Diese Energiegleichung reduziere ich dann auch noch um die Geodätische Höhe und es bleibt:
Druckhöhe + Geschwindigkeitshöhe + Verlusthöhe = konstant
Ich verwende folgende, sicher nicht wissenschaftlich einwandfreie Bezeichnungen:
konstant = der Umgebungsluftdruck P(u)
Druckhöhe = P
Geschwindigkeitshöhe = v**2/2g
Verlusthöhe (Druckverluste durch Reibung) = dP(r)
2g = 20 m/s**2
Nicht alle dieser Größen rechne ich für meine Betrachtungen aus. Bzw die Verlusthöhe setze ich sowieso nur im ND-Kanal an und kann sie dort nur äußerst grob abschätzen.
Zur Illustration nehme ich mal folgende Skizze:

Den Umgebungsdruck nehme ich mit 1000 mbar = 10 mWS Druckhöhe an.
Die Druckhöhe an den verschiedenen betrachteten Stellen ergibt sich aus P(u) - v**2/2g - dP(r) Die Geschwindigkeitshöhe berechnen wir uns für verschiedene Stellen im Ansaugrohr und in verschiedenen Lastzuständen.
Die Verlusthöhe im ND-Kanal schätze ich ab, indem ich rückwärts schreitend vom Ansaugrohr zur ND für jede Ecke/Drossel die Geschwindigkeitshöhe (und damit den anstehenden Unterdruck) um ca 40 % reduziere. Nach den vier Ecken des ND-Kanals haben wir an der ND also nur noch ca 10 % des Unterdrucks, der an der Öffnung des ND-Kanals im Ansaugrohr herrscht. Wenn der ND-Bypass geöffnet ist und damit der Kanal wesentlich verkürzt und die Drossel "Gesmischschraube" umgangen ist, gehe ich für die Rechnung hier davon aus, dass ca 20 % des Unterdrucks aus dem Ansaugrohr bei der ND ankommen.
Wie groß ist jetzt ganz grob der Unterdruck?
1. Lastzustand: Standgas bei 200 U/min für einen 200 ccm "Flüssigkeitsmotor mit konstantem Durchfluss":
Die Geschwindigkeit meines Mediums in m/s im Ansaugrohr entwickelt sich so:
Der Motor saugt pro Minute 40000 ccm Medium und pro Sekunde ca 666 ccm Medium an. Bei einem freien Querschnitt des Ansaugrohrs von ca 5 qcm legt das Medium also eine Strecke von 133 cm/s oder 1,3 m/s zurück.
Die dazugehörige Geschwindigkeitshöhe (der Unterdruck vor dem HD-Stock) ist damit:
1,3 **2 / 20 = 0,0845 m oder 8,5 mbar
Vor der ND ist der Querschnitt jedoch auf ca 10 % reduziert, d.h. dort ist das Medium wegen der Kontinuität (Venturi) schon 13 m/s schnell. Die dazugehörige Geschwindigkeitshöhe (der Unterdruck vor dem ND-Kanal) ist damit:
13 **2 / 20 = 8,45 m das ist schon ein Grobvakuum (P = 10 - 8,45 = 1,55 m = 155 mbar).
Das sich jedoch bis zur ND wieder auf 10 % reduziert. Dort haben wir also nur noch einen geschätzten Unterdruck von ca 0,84 m oder 84 mbar.
Wenn die Annahmen ungefähr passen ist das ein guter Sog an der ND!
2. Lastzustand: niedrige Last bei 400 U/min:
Die Geschwindigkeit im Ansaugrohr verdoppelt sich auf 2,6 m/s und der Unterdruck wächst auf das 4-fache: 34 mbar am HD-Stock.
Am ND-Kanal ist der Schieber jetzt vermutlich zu 20 % geöffnet und die Geschwindigkeit des Mediums und der Unterdruck bleiben konstant.
Der Unterdruck direkt an der ND steigt ebenfalls weil der ND-Bypass freigegeben wird. Er ist dort jetzt ca 160 mbar groß.
3. Lastzustand: mittlere Last bei 800 U/min:
Die Geschwindigkeit im Ansaugrohr hat sich wieder verdoppelt auf 5,2 m/s und der Unterdruck auch wieder vervierfacht: 136 mbar am HD-Stock.
Am ND-Kanal bleiben die Geschwindigkeit und der Unterdruck wieder konstant, da der ND-Bypass schon offen ist ändert sich auch der Unterdruck an der Nebendüse selbst nicht mehr und bleibt bei 160 mbar.
4. Lastzustand: Volllast bei 1600 U/min:
Gleiches Spiel für das Ansaugrohr, Verdoppelung der Geschwindigkeit, Vervierfachung des Unterdrucks: ca 550 mbar (jetzt haben wir ein Grobvakuum am HD-Stock).
Nebendüse: 160 mbar
Zusammenfassung:
200 Umin: HD-Sog 8,5 mbar; ND-Sog 84 mbar (so etwas könnte bei der Vespa bei ca 1000 U/min eintreten)
400 Umin: HD-Sog 34 mbar; ND-Sog 160 mbar (so etwas könnte bei der Vespa bei ca 2000 U/min eintreten)
800 Umin: HD-Sog 136 mbar; ND-Sog 160 mbar (so etwas könnte bei der Vespa bei ca 4000 U/min eintreten)
1600 Umin: HD-Sog 550 mbar; ND-Sog 160 mbar (so etwas könnte bei der Vespa bei ca 8000 U/min eintreten)
Wenn man sich diese Drücke ansieht, die Bauweise des SI mit HD und nachgeschalteter ND betrachtet und die Größen der Düsen berücksichtigt, bekommt man so ungefähr eine Vorstellung wie das Gemisch mit Sprit versorgt werden könnte.
Man sieht auch, dass die einzigen Regelungsmechanismen für den Sog an der Nebendüse die Gemischschraube und die "Ecke im Schieber" sind. Mit der Ecke im Schieber kann man die Öffnung des ND-Bypass früher oder später legen.
Die nächste Aufgabe wird dann sein, zu gucken, wie aus dem Sog ein Spritgemisch wird.
Gruß, Klaus