So die Damen,
jetzt habe ich mal den Zylinder etwas genauer angeschaut. Was soll ich sagen. Der eine oder andere Hinweis war ja in dem elend langen Beitrag im GSF zu finden, aber im Großen und Ganzen wurde der Zylinder dort eher so als der neue Heiland gepriesen, nur vereinzelt etwas Kritik.
Ich weiß jetzt nicht, wie man hier bei uns im Forum zu Egig generell und dem Zylinder im Speziellen so steht, aber ich gebe jetzt einfach mal so ganz neutral und nüchtern meinen Eindruck und meine Meinung.
Vornweg, was an dem Zylinder tatsächlich doch etwas neu ist, ist das Konzept. Ich kenne jetzt nicht alles über 130 Kubik für die Smallframe, aber ich habe mir vieles im Netz angekuckt, immer auf der Suche nach einer einigermaßen vernünftigen Basis für einen moderaten Traktor mit mehr Hubraum als der DR 130. Nur einen anderen Zylinder wollte ich nicht, es sollte schon etwas mehr sein. Daher auch die Idee mit dem Malossi 136 und der 53er Drehschieberwelle.
Dieser Zylinder ist aus Guß und bringt eine Schippe mehr Hubraum mit sich. Den Hubraum macht er eigentlich nur über die Bohrung und nicht über den Hub und kriegt dadurch ein Hub/Bohrungsverhältnis von 51/65 (wenn man mal von seinen beiden etwas lieblos abgeleiteten Brüdern 180 und 187 absieht).
Seine Plug and Play Möglichkeit erkauft er sich durch ein überlanges Pleuel und damit kann er diesen großen Pott einfach oberhalb des Motorgehäuses plazieren.
Der Kolben bleibt außerhalb des Motorgehäuses.
Soweit mal zur "Innovation". 170 Kubik ohne groß was am Gehäuse machen zu müssen ist schon eine Ansage, wenn man mal von dem Einebnen der Dichtlippe des Polrades absieht, das auch mit einer Eisensäge hinzukriegen ist.
So, aber dann hört es eigentlich auf, auch nur irgendwie besonders innovativ zu sein. Im GSF würden mich wahrscheinlich einige steinigen, so wie dort Erich und der Zylinder gehuldigt wurde.
Der Pott, der oberhalb des Motorgehäuses drauf gesetzt ist, ist komplette Hausmannskost und die Verarbeitung würde ich im unteren Drittel ansiedeln von den Gußeisentöpfen, die ich bereits gesehen habe. Von einer Verarbeitung eines Malossis ist er Längen entfernt und das eine oder andere Detail kenne ich auch nicht von meinen zwei DR 130, die ich bisher in den Fingern gehabt habe. Und die kosten 100 Euro weniger. Bilder folgen.
Es gibt viele Fehlstellen an den Kernen im Guß, ein paar habe ich versucht abzulichten:



Ich bin mir auch ziemlich sicher, daß wenn die Kanten nicht entgratet wären, daß dadurch ziemlich landwirtschaftliche Fensterkanten zu sehen wären. Man kann das vereinzelt erahnen mit etwas Phantasie. Da war nach dem Guß sicher kein Fenster wie das andere.
Das sind mir zwar unentgratete, aber sauber abgezeichnete Fenster wie in einem Malossi lieber. Da gibt es in China Gießer, die das besser können. Wobei man in China jede Qualitätsstufe bekommt, ist halt eine Frage des Preises. Gegossen werden die alle in China oder sonst wo in Asien.
Auch die Oberflächen der Kanäle spricht nicht für vernünftiges Kernmaterial.
Laut seiner Aussage kommt der Zylinder aus der gleichen Fabrik wie Zylinder eines anderen Inverkehrbringer, ich meine er hat VMC oder Italkast erwähnt im GSF.
Aber es noch nicht alles, was den Guß angeht. An mehreren Stellen ist die Oberfläche nicht nur sehr rauh, sondern hat auch eine andere Farbe. Auch das kenne ich nicht von anderen Zylindern.
Es sieht so aus, als ob da noch Formsand in den Kanälen hängt. Ob es das ist oder nur Zunder auf der schlechten Oberfläche, ich weiß es nicht. Aber auch das wurde im GSF ganz vorsichtig angemahnt.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das ignorieren soll. Wenn man dran kratzt, bröselt jetzt nichts weg, aber man hat unweigerlich das Bedürfnis, die Kanäle mit Korund zu strahlen. Wie ich das anstellen soll mit einer geeigneten Laufbahnabdeckung, weiß ich noch nicht.
Am Anfang waren die Ringstöße wohl versetzt angeordnet genau in der Mitte der Boostportfenster, später lagen sie übereinander auf dem Steg. Meiner hier ist so wie die ersten. Ob er das zurück geändert hat oder ich einen alten bekommen habe, weiß ich nicht:

Nur ein Schönheitsfehler sind die lustlos und asymetrisch angeschliffenen Kühlrippen außen, ich vermute mal ein Kaschieren eines Gußfehlers.


Zum Schluß noch die Verpackung. Im GSF hat einer eine angebrochene Kühlrippe beklagt, bei der Verpackung überrascht mich das nicht. Auch das kennt man anders. Die Kleinteile habe ich jetzt einfach wieder in den Karton geworfen, ich weiß nicht mal mehr, wie genau das alles angeordnet waren, aber das einzige Polster in der Schachtel waren die beiden Styroporstücke mit ca 2 cm Stärke:


Der gesamte Zylinder war dünn innen und außen paniert mit Schleifmehl gebunden in chinesischem Korrosionsschutzmittel.
In Summe muß ich nach genauerem Betrachten wirklich sagen, daß der Zylindersatz über alles qualitativ im unteren Drittel anzusiedeln ist.
Wer Malossi kennt, muß einfach hier die Nase etwas rümpfen. Ich hatte schon den einen oder anderen Hinweis aus dem GSF, aber das hier erstaunt mich schon etwas.
Soweit mal zur qualitativen Anmutung.
Jetzt mal zur Technik.
Das Ding hat zwei Spülkanäle, zwei Stützkanäle und zwei Boostports, die je nach Druckverhältnissen auch direkt versorgt werden können über die Membran, ansonsten eben halt auch aus dem Kurbelgehäuse. Das ist kein Hokuspokus und stellt HW Bönsch exakt so schon in den 80ern in seinem Buch dar, auch mit den genauen Funktionen der einzelnen Kanäle.
Das Spülprinzip findet man exakt gleich im Malossi MK4 oder wenn mich die Bilder nicht täuschen bei Italkast und oder VMC.
Lustigerweise erzählt er im GSF, daß die Köpfe von VMC sind und nach seinen Angaben bearbeitet werden. Der Topf selber wie schon erwähnt in der gleichen Fabrik gegossen wird.
Jetzt sage ich mal so, daß Ding ist halt ein VMC oder Italkast 135er mit einer größeren Bohrung, der ein langes Pleuel gekriegt hat, damit man in über dem Motorgehäuse plazieren kann, der Rest ist an denen angelehnt. Die Spülkanäle sind schön in weichem Bogen außen geführt, weil keine Restriktionen in der Breite interessiert haben.
Nicht mal die Steuerzeiten sind anders als bei einem Italkast 135er.
An diese Restriktionen halten sich die üblichen Verdächtigen der 135er Klasse, mal egal, welche Bohrung und Hub jetzt genau, 51 oder 53, Bohrung 57 oder 58.
Im GSF startet der Beitrag von Egig selber als Neuvorstellung zu Coronazeiten noch vor 4 Jahren oder so, lange noch vor der Verfügbarkeit des Zylinders. Sehr Marketinglastig.
Abschließend weiß ich noch nicht, was ich von dem Ding halten soll. Mit ihm kriege ich mit überschaubarem Aufwand mehr Hubraum, habe aber letztlich nicht meine Wunschsteuerzeiten. Ich mach jetzt einfach mal weiter und wir sehen dann, was es wird.
Der Hype im GSF war so eine Gruppendynamik aus meiner Sicht gepaart mit einer ganz guten Vermarktung. Überzeugen tut der Zylinder mich nicht sooo wirklich.
Er hat vielleicht einige Vorteile für Vespisti, die für wenig Geld und Schrauben über 20 PS haben möchten, aber bei mir bleibt da so ein Beigeschmack hängen. Mal sehen...
Wobei für wenig Geld ist relativ, mit dem Drumherum, das man natürlich auch erwerben kann, kommt da auch recht schnell einiges zusammen, Membrankasten, Auspuff, Kurbelwelle....
Wenn ich ihn verwende, kommt halt noch eine Kurbelwelle für 500 dazu, ich kann mir leider keine selber zusammennageln mit der Pleuellänge...
Gruß Paddy.