Anfänger und die Katze im Sack

  • Hallo zusammen!


    Ich bin in mehrfacher Hinsicht ein absoluter Anfänger, denn zum einen ist das hier mein aller erster Foreneintrag überhaupt (und das ist nicht nur auf Vespa bezogen!) und zum anderen bin ich seit gut zwei Wochen endlich im Besitz einer eigenen Vespa und habe mir damit einen Jugendtraum erfüllt!


    Nach den ersten Gehversuchen (denn auch das Fahren mit einem Schaltroller war mir gänzlich neu) war ich überglücklich, denn zum jahrelangen Schwärmen kam nun auch noch das überwältigende Gefühl des tatsächlichen Fahrens einer Vespa hinzu!


    Nun kurz zu meinem neuen Liebling:


    Gekauft habe ich eine Vespa Special (V5B3T) aus erster Hand. Der Vorbesitzer hat eine Werkstatt zur Oldtimer-Restauration und dementsprechendes Geschick, was er natürlich auch bei der Vespa eingesetzt hat, aber dazu später mehr. Zudem stand sie 2Jahre in der Garage und wurde nicht gefahren.



    Als ich letztes Wochenende bei schönstem Wetter unterwegs war, ging sie mir während der Fahrt aus und sprang nicht mehr an. Ich hatte das Glück fast neben einer Tankstelle liegengeblieben zu sein und wechselte zunächst auf gut Glück die Zündkerze. Das hat aber zunächst nicht geholfen, sie ließ sich allerdings anschieben und ich fuhr weiter. Einige Zeit später blockierte während der Fahrt das Hinterrad und die Vespa sprang danach auch nicht mehr an.
    In der Hoffnung, dass mir der Verkäufer weiterhelfen kann, rief ich ihn kurzerhand an. Er erklärte mir, dass er die Vespa damals, um Rost im Tank zu vermeiden, mit Benzin befüllt hatte, jedoch kein Öl beigemischt hat!!! :wacko:
    Ich besorgte mir ein synthetisches Öl in der Tube (Zweitaktöl Agil City Tec 2T Formula Moto) und mischte es recht großzügig in den Tank und wohl etwas über das Verhältnis 1:50. Außerdem ließ ich das alte Getriebeöl ab und füllte neues ein (SAE 30). Siehe da, die Vespa lief wieder 1A und ich führ das gesamte Wochenende problemlos. :rolleyes:


    Auf dem Weg zur Arbeit am Montag darauf nahm sie jedoch zunächst wenig Gas an, ging an der Ampel aus, ließ sich aber wieder starten. Nach kurzer Fahrt gab es einige Fehlzündungen und die Vespa ging wieder während der Fahrt aus und ließ sich dann aber auch nicht mehr starten und auch nicht im ersten Gang anschieben.
    Ich ließ sie stehen und musste sie nach Feierabend nach Hause schieben.


    Da ich unter der Woche nicht dazu komme mich dem Problem zu widmen wollte ich das dieses Wochenende angehen, habe aber keine Ahnung, wo ich ansetzen soll, da ich vorhin festgestellt habe, dass sie mittlerweile auch eine ölige Stelle (oder ist das Benzin?) an ihrem Standplatz hinterlassen hat.


    Gefühlt würde ich mich nun dem Vergaser widmen, wollte aber zunächst euch als große Vespa-Gemeinde dazu befragen! Ich hoffe, dass ihr Ideen habt, was da schief gelaufen sein könnte.




    Zudem habe ich eine andere (nicht ganz so dringende) Frage:
    Der Vorbesitzer hat die Vespa mit einer Batterie ausgestattet, die sich unter der Sitzbank befindet. Erklärt wurde mir, dass dadurch ein häufiges durchbrennen der Glühbirnen bei zu hohen Drehzahlen verhindert wird. Um die Vespa starten zu können muss ich also zunächst immer einen kleinen Schalter betätigen, wodurch auch das Vorderlicht und Rücklicht angehen. Allerdings sieht der sprichwörtliche Kabelsalat irgendwie beängstigend aus wie ich finde! Daher meine Frage, was es zu beachten gilt, wenn ich einen kompletten Kabelbaum einbauen möchte? Oder hat es in euren Augen einen Sinn die Batterie beizubehalten?



    Ich hoffe auf eure Ratschläge! Vielen Dank schon mal!


    strudl

  • Ersatmal "Glückwunsch" zur Vespa ;)


    Die Elektrik ist ja mal der absolute Horror und die Erklärung des Verkäufers leider Schwachsinn. Da du an deiner Vespa nahezu keine Elektrik hast und es sich um einen selbst regelnden Stromkreis handelt brennen die Birnen auch im Normalfall nicht durch. Also liegt der Fehler wohl bei falschen Birnen oder einer falschen Verkabelung. Die Batterie nimmt dir an sich auch keine Spannungspitzen raus, außer er hat eine Ladeanlage eingebaut und versorgt nun alles mit Batterie. Äußerst komisch...


    Zur Thema blockieren: Das war ein Klemmer/Reiber. Wenn die Vespa danach wieder fährt, ist ja alles ok. Dein Kolben hat sich zu sehr ausgedehnt bzw zu wenig Schmierung durch das fehlende Öl erhalten: Kolben blieb im Zylinder hängen. Du solltest dennoch nachsehen was da Sache ist.
    Hat das alte Getriebeöl viellt nach Benzin gerochen? Ich hab da so meinen Verdacht ;)


    Benzinfleck: Da es wohl aus dem Vergaser kommt, Diesen mal checken. Neu abdichten und eine neue Schwimmernadel (die verschließt den Zufluss wenn die Schwimmerkammer voll gefüllt ist) einbauen und es sollte gut sein. Dabei gleich mal schauen, ob der Benzinhahn noch richtig arbeitet.


    Beste Grüße

  • Und auch mal die Polradstellung prüfen, Auf der Kurbelwelle sitzt ein Halbmondkeil, der dem Polrad beim Einbau die richtige Stellung für den Zündzeitpunkt vorgibt. Der schert bei einem Klemmer gerne mal ab, was zu einem falschen Zündzeitpunkt führt und damit zu Zündaussetzern bis hin zum nicht mehr Anspringen.


    Dafür brauchst du aber einen Polradabzieher.


    Und ganz ehrlich: DAS soll dein Verkäufer Ordnung bringen, wenn er da einfach Sprit ohne Öl in den Tank haut und dir nix darüber sagt. So ein Schwachkopf...

  • Super, vielen Dank schon mal!!


    Hab mir versucht mit YouTube Videos von SIP zu helfen (gibt sowohl zum Thema Vergaser als auch zum Zündzeitpunkt einstellen sehr anschauliche Videos) und hoffe, dass das Säubern der Düsen am Vergaser und das Wechseln der Schwimmernadel vielleicht schon hilft, denn Polradstellung prüfen ist vielleicht doch für den Anfang ne Nummer zu groß. ;)



    Mich wundert nur, dass die Vespa problemlos lief, auch noch angesprungen ist und dann mit Fehlzündungen stehnbleibt. Ist das ein typisches Zeichen für Probleme mit dem Vergaser? Oder kann es etwas mit den beiden Ölen zu tun haben, dass ich da etwas falsch gemacht habe?
    Naja ich werd's mit dem Vergaser auf jeden Fall mal ausprobieren! Zumal das ohnehin nach der langen Standzeit nicht von Nachteil sein dürfte!


    Für weitere Vermutungen, Tips und Ratschläge aus dem Nähkästchen (auch welche die mein Problem garnicht betreffen, ich aber umbedingt wissen sollte) bin ich weiterhin dankbar!


    Beste Grüße


    strudl

  • hi,


    du musst ja nicht gleich abblitzen. Wenn du das Polrad runternimmst siehst du ja ober der Halbmondkeil noch in ordnung ist. Fehlzündungen würde ich erstmal auf die Zündung schieben und nicht auf den Vergaser. Das Spezialwerkzeug, hört sich immer sehr profimäßig an, heisst Polradabzieher und kostet dich um die 10 Euro. Irgendwann wirst du es dir wahrscheinlich sowieso kaufen :rolleyes:



    Gruß Moritz

    Wenn man ehrlich ist: Im Winter fahren ist nur cool wenn man im Sommer von erzählt!!!!!!!

  • Schau erst mal ob du einen Polradabzieher überhaupt verwenden kannst. Die Special hat großteils eine Kragenmutter als Polradmutter die das Polrad, mittels eines Sprengrings, beim Losschraunben mit runterzieht.
    Also nachschauen.
    Polrad mit Innengewinde = Polradabzieher
    Polrad mit Nut für Sprengring = kein Polradabzieher

  • Benzinhahn würde ich mir auch mal anschauen. Die Suppe kann auch daher kommen.


    Grüße
    Zapper

    Suche: Derzeit nix
    --
    Wenn du es baust, wird er kommen.
    Falsch ist wahr, wenn Falsches (welches wahrlich falsch ist) wahr ist.

  • Hallo zusammen!


    Vielen Dank für die zahlreichen Tipps! Vorweg: Sie läuft wieder!!! :thumbsup:


    Hab gestern den Vergaser ausgebaut, in Essigessenz/Wasser Lösung (2:1) eingelegt, Dichtungen und Benzinfilter ausgewechselt. Bevor ich ihn heute wieder eingebaut habe, habe ich die Vespa ohne Zündkerze (die ölig war) im ersten Gang angeschoben. Nach dem Einbau springt sie jetzt auch wieder auf den ersten Kick an!


    Allerdings: Ich kann im Moment nicht fahren, da der Gaszug zu viel Spiel hat und ich zum ankicken deshalb testweise lediglich die Standgasschraube etwas weiter reingedreht habe, damit sie "mehr Gas" bekommt.


    Woran kann das liegen? Hab den Gaszug am Vergaser wieder eingehängt, hat aber wie gesagt viel zu viel Spiel! Beim Drehen am Gasgriff auf Anschlag erreicht der Nippel am Ende des Gaszugs am Vergaser noch nicht mal die "Gaswippe"!


    Nochmal vielen Dank für eure Hilfe bisher! Bin heute schon sehr glücklich darüber gewesen, dass sie im Moment immerhin wieder tadellos anspringt!! ;)

  • Guck mal an der seite ,wo der zug durchgeführt wird am vergaser.
    Ist auch so eine schraube mit feder drum.dreh die mal raus,damit kannste das spiel einstellen.

  • Hi oscar,


    die Schraube bewirkt leider überhaupt nichts, da der Gaszug wie gesagt so viel Spiel hat, dass die Länge der Schraube zum Justieren bei Weitem nicht ausreicht!
    Bin genau deshalb ja etwas ratlos, da ich es mir nicht erklären kann! ?(

  • Guck doch mal ob die aussenhülle des Zuges auch "in" der Schraube steckt. Wenn das der Fall ist guck ob der Gaszug noch richtig eingehängt ist. Einfach den chromring um die Lampe lösen, die zwei Schrauben im Scheinwerfer raus und den sw rausziehen. Jetzt kannst du noch kurz die Stecker abmachen und du hast den sw in der Hand. Nun hast du gute Sicht auf die Züge


    Cheers moritz

    Wenn man ehrlich ist: Im Winter fahren ist nur cool wenn man im Sommer von erzählt!!!!!!!

  • bei einem blockierenden Hinterrad (reiber/klemmer) würd ich den Zylinder abbauen und nachsehen ob die Kolbenringe frei sind ggf. Aluabrieb ausm Zylinder entfernen und alles gängig machen.
    Das sollte m.M. der Vorbesitzer machen, er hat die Sch... ohne Öl ja schließlich verbockt!?

    was Du nicht willst was man Dir tu, dass tu auch nicht, was willst denn Du???

  • Hallo,


    hab's mir grade auch nochmal oben im Lenkerkopf angeschaut und musste leider feststellen, dass der Gaszug da leider nicht rausgerutscht war und ich somit nicht weiß, woran es liegen könnte! Wie gesagt, das Spiel ist viel zu groß und die Gasannahme am Vergaser bewegt sich somit kein bisschen! Hat noch jemand eine Idee, woran es noch liegen könnte?


    Ansonsten würde ich die Länge des Gaszuges im Lenkerkopf anpassen. Allerdings wäre es ein irrer Zufall gewesen, wenn sich die Feststellschraube am Gaszug gelockert haben sollte und der Zug deshalb zu lang geworden ist, oder?

  • Servus,
    im Lenkkopf ist die Seilzughülle nicht geführt, das kann nicht funktionieren, ich weiß nicht wie die Führung im Special Kopf aussieht,
    aber drin ist sie bei dir nicht. Wen du am Gashebel drehst ziehst du ja die Hülle mit, die muss ja einen Anschlag haben damit sich
    der Gaszug ziehen lässt. Ich kann es gerade nicht besser erklären!? Hoffe du verstehst was ich meine.
    Grüße Franz

  • Hmm...


    Vielen Dank für die Anregungen, aber so richtig verstehe ich das nicht! Also das mit der Halteplatte leuchtet mir ein, allerdings stellt sich die altbekannte Frage, warum der Gaszug tadellos funktioniert hat, bis ich den Vergaser ausgebaut habe! :huh:?(


    Hahaha, oh Mann...

  • Das Problem ist das ich auf deinem Foto die relevanten Teile nicht erkennen kann. Wahrscheinlich ist da schon eine Rückhaltemöglichkeit für den Zug aus der er eben rausgerutscht ist als du den Zug am Vergaser gelöst hast. Event. kannst du mal ein Bild von oben durch die Tachoöffnung machen.

  • Ah super, hab gerade ein Foto gefunden, das die Haltevorrichtung einer Vespa 50 Special zeigt! Auch da ist keine Halteplatte zu erkennen, sondern lediglich ein Plastikkeil, der auch auf meinen Bildern im Hintergrund zu sehen ist! Das wird hoffentlich das Problem lösen! Vielen Dank!