PK 50 XL2 - widersprüchliche Symptome?

  • Hallo, bin neu hier und möchte mir eine PK 50 XL2 kaufen.

    Da ich zu einer mir angebotenen Vespa eine eher technische Frage habe, hoffe ich hier richtig zu sein, und nicht im Kaufberatungs-Forum.


    Also folgendes:

    1.) das gute Stück stirbt im Leerlauf ohne Gasgeben nach ein paar Sekunden ab. Mit gezogenem Chocke bleibt sie länger an, stirbt manchmal gar nicht ab.

    2.) gibt man Gas im Leerlauf, braucht es einige Zeit bis der Motor mit der Drehzal wieder komplett unten ist. Variiert ein bisschen, aber so zwischen 3-8 Sekunden.


    Für Problem 1. hätte ich gedacht, wohl die Leerlaufgemischraube etwas nachzujustieren, würde dann aber doch Problem 2 verschlimmern? Was denkt ihr darüber? Ist Falschluft auch eine Option?


    Danke und LG

  • Eeigentlich haben modernere Vesparoller (Vergasertypen SI und SHB) gar keinen Choke.
    Sie haben eine Vergaser, in denen ein zusätzlicher, kleinerer Trakt integiert ist - eine Startvorrichtung. Analog heißen SHB und SI auch "Startervergaser".

    Wozu dient das?
    Wenn ein Motor kalt ist (das hängt aber vom individuellen Motor ab), kondensiert bei Kaltstart ein gewisser Teil des im Vergaser zerstäubten Kraftstoff-Luft-Gemischs an den kalten Wänden des Motorinneren. Es gelangt zu wenig und zu kaltes Treibstoffgemisch im Brennraum und der Motor mag dann nicht anspringen.
    Um diese Kondensationsverluste auszugleichen, gibt es diese Startvorrichtung, die zusätzlich über den Startertrakt des Vergasers Gemisch in den Ansaugkanal abgibt. Dadurch landet dann wenigstens soviel Gemisch im Brennraum, daß der Motor Lust hat, anzuspringen.

    Das Gemisch íst dabei zwar etwas zu fett, aber sobald der Motor warm genug ist, kann man den Starterknopf wieder hineindrücken und den Startermechnismus deaktivieren. Dann läuft der Motor mit dem vorgesehenen Mix.

    Bei heißer Witterung und guter Kondition der Zündanlage kann es manchmal auch vorkommen, daß man den Startknopf gar nicht ziehen muß, damit der Roller anspringt.

    Zu der dir angebotenen Vespa:
    Bitte kaufe sie nur, wenn dir beim Kauf ein erfahrener Vespamechaniker bei der Kaufbesichtigung zur Seite steht und den Roller sorgfältig in Augenschein nimmt.
    Der Roller scheint mir einen Wartungs- & Instandsetzungsbedarf zu haben. Bei dem von dir geschilderten Defekt scheint es Problem mit der Spritversorgung zu geben. Vielelicht zu alter Sprit, vielleicht wurde am Benzinschlauch rumgefummelt, vielleicht ist die Tankentlüftung nicht in Funktion, vielleicht hat der Roller zu lange gestanden und dabei hat sich im Vergaser stehender Sprit in Sülze verwandelt und sowohl Hauptdüse als auch Nebendüse verstopft, wodurch der Roller nur mit Choke läuft (der dann wie ein Bypass funktioniert) .

    Falschluft würde ich erstmal nicht vermuten...denn auch ein Problem mit der Spritversorgung kann ein zu langsames herunterkommen der Drehzahl verursachen.

    Nebel zieht in dichten Schwaden übers Moor von Forest Hill.
    Grün gespenstisch glänzt ein Irrlicht. Es ist Nacht in Baskerville.
    Cindy und Bert, 1970

  • Das könnte natürlich ein Falschluft-Problem sein. Ich weiß nicht, wie umfangreich Du testen darfst/kannst, aber Du kannst schon mit relativ einfachen Mitteln einen Anhaltspunkt dafür finden.


    Falschluft tritt bei Smallframes gerne am Vergaser und dessen Verbindung zum Ansaugstutzen, auch am Ansaugstutzen zum Motor und Zylinderfuß und -Kopf auf. Wenn Du bei laufendem Motor dort gezielt Bremsenreiniger hinsprühst und eine Reaktion erzielst, dann hast Du wahrscheinlich eine der Falschluftquellen gefunden.


    Verdächtige sind auch die beiden Simmerringe der Kurbelwelle. Mit einem Luftballon auf der Getriebeentlüftung testest Du den Kupplungsseitigen und bei abgenommener Lüfterradabdeckung und Bremsenreiniger drunter den Lichtmaschinenseitigen (Vorsicht Finger!).


    Es kann aber auch sein, dass der Vergaser schmutzig ist und die Düsen dicht sind.


    Stand sie denn länger?

  • Danke schon mal für eure Antworten!


    Laut Verkäufer wurde die Vespa vor gut 6 Jahren in einer auf Vespas spezialisierten Werkstatt generalüberholt. Leider weiß er nicht (mehr) genau was dort alles gemacht wurde. Seit dem ist sie die letzten Jahre wohl nur gestanden und sehr selten mal bewegt worden.

    Alter Sprit ist wohl gut möglich, aber wohl leider auch ein durch die Standzeit verschmutzter Vergaser.

    Ein erfahrener Vespamechaniker kann mir leider nicht zur Seite stehen. Kleinere Reparaturen würde ich mir durch Anleitungen auch zutrauen, bzw. habe den Willen das zu lernen. Bin auch bereit im Notfall nochmal etwas Geld bei einer Werkstatt zu lassen wenn's denn sein muss. Fahren tut sie ja gut, und es sind nur o.g. Probleme.


    LG

  • Auch wenn ich das schon mehrfach gepostet habe: Denselben Fehler hatte meine XL2 auch - und ich habe die Zeit damit gelebt, auch wenn keine Vergasereinstellung möglich war, die einen stabilen Leerlauf brachte, ohne dass der Motor hochdrehte bzw. von hoher Drehzahl zurückging.


    Ich habe den Motor nicht geöffnet, der anders als bei der dir angebotenen XL2 auch noch ungeöffnet war.


    Ich finde das auch nicht sonderlich plausibel - generalüberholt, aber keine Ahnung, was gemacht worden sein soll...

  • Hast du denn noch etwas anderes als einstellen des Vergasers probiert bzw. herausgefunden woran das lag?


    D.h. dreht man die Leerlaufschraube zu weit in die eine Richtung stirbt er noch schneller ab, zu weit in die andere, kommt er nach dem Gasgeben noch langsamer runter mit der Drehzahl? Also einen Kompromiss in der Mitte finden?

  • Nein, habe ich nicht, da ich dafür den Motor hätte öffnen müssen.


    Ich habe mich ebenso wie mein befreundeter Nachfolgebesitzer damit abgefunden, dass der Motor mit der gefundenen Einstellung zuverlässig abtourte - und im Leerlauf jedenfalls so lange stabil blieb, bis ich ihn mit Spielen am Drehgriff bei Laune halten konnte.


    Die gefundene Einstellung basierte auf einem möglichst kleinen Luftspalt unter dem Schieber.


    Man gewöhnt sich daran - und der Motor läuft immer noch.