Vespa Vollabnahme gescheitert

  • Moin Gemeinde,


    nachdem ich hier Vollzug gemeldet hatte, kam es heute zum Showdown bei der Vollabnahme.

    Leider gescheitert, weil die Bremswirkung (Vorne wie Hinten) nach Ansicht des Prüfers nicht ausreichend ist.

    Die Bremse "beißt" nicht genug.

    Gut, wieder was gelernt. Es ist meine erste PX80, keine Ahnung wie stark die Bremsen müssen, schließlich hat es ja gebremst...

    Nun werde ich mich dran machen und die Trommelbremsen neu bestücken.

    Gibt es was besonderes zu beachten?

    Hat dieses Forum möglicherweise eine Anleitung hierzu?

  • Neue Beläge an den Seiten leicht anphasen, Trommel auf Zustand innen überprüfen, es darf wenn überhaupt nur ein kleiner Grad zu merken sein, sonst austauschen.

    Bremse einstellen, dass im oberen Drittel vom Hebelweg schon eine deutliche Verzögerung zu spüren ist. Einige Male beim Fahren bremsen, dass sich Beläge und Trommel aneinander gewöhnen, Bremse notfalls nachstellen.

  • mhx: japp. ganz recht: das tun sie.
    Und nur wenn die Hitze nicht rasch genug abgeleitet wird, altern die Beläge zu schnell.


    Wieso-weshalb-warum? Am Besten mal ein paar Allgemeinplätzchen hervorgekramt:

    Das Prinzip der (Reibungs-) Bremse

    • Die Bremse wandelt Bewegungsenergie durch Reibung in Wärme um, die an die Umgebung abgeleitet werden muß. Dazu müssen die Reibepartner "Belag" & "Trommel" zueinander passen. Beim Bremsen muß eine möglichst große Fläche (hier die des Belags) eng und fest an die sich drehende Trommel gepreßt werden und die entstehende Wärme schnell abgeleitet werden. Das Belagmaterial muß eine gewisse Restelatizität besitzen, um sich richtig gut an die Trommeloberfläche schmiegen zu können. Beläge altern aber und werden härter. Dann sind sie auch trotz genügender Stärke unbrauchbar.

    Mögliche Gründe für mangelnde Verzögerungswirkung

    • Liegt nicht genug Fläche an oder ist der Gleitreibungskoeffizient zu niedrig (Schmutz, Öl, auf die Trommel aufgeriebener Bremsstaub) ist die Bremswirkung gering. Auch bei neuen Bremsbelägen liegt erstmal höchstens 5 % der möglichen Fläche an. Sie müssen sich erst entsprechend abnutzen und an die Trommel anpassen, bis sie richtig "tragen" und entsprechende Verzögerungsleistungen erbringen. Bis neue Beläge einigermaßen tragen, kann es schon mal ein paar hundert km dauern. Das hängt nicht nur vom Fahrer ab, der neue Beläge einfach nur benutzen soll (auch wenn sie ihm erstmal recht lasch erscheinen), sondern auch von den Eigenschaften des verwendeten Belagmaterials.
    • Bei langen Bergabfahrten kann es zu Überhitzung von Belägen und Trommel kommen und zu mangelnder Wärmeabfuhr. Dadurch kommt es zum "Fading" und die Bremse verzögert nicht mehr.
    • Nach einer Überhitzung können Bremsbeläge verglasen. Dann werden sie hart und glänzend und haben einen zu niedrigen Gleitreibungskoeffizienten und verzögern nicht mehr gut.
    • Der Mechanismus der Bremse (Hebel, Bremszug, Bremsnocken, Bremsbackenpins) ist defekt/verschlissen/schwergängig weil sie evtl. nie oder lange nicht gewartet worden sind. Von der durch Hand oder Fuß investierten Hebel-/oder Pedalkraft kommt dann am Belag nur noch wenig an.
    • Die Trommel weist Riefen auf oder ist kegelförmig abgenutzt oder hat einen abnutzungsbedingten fühlbaren Rand.
    • Scheibenbremsen sind im Prinzip was die Wärmeableitung betrifft besser aufgestellt.

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    Cindy und Bert, 1970

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  • Dachte ich mir schon.

    Lohnt sich eigentlich das Ausdrehen der Trommel.?

    Das Aufspannen auf der Drehbank dürfte wohl mit erheblichem Aufwand einhergehen

  • Das kann ich dir bestätigen. Habe das selbst vor langer Zeit bei diversen Trommeln versucht und mangels Rentabilität (da ich nicht ins Bremstrommelgeschäft einsteigen und dafür eine Vorrichtung bauen wollte) aufgegeben.
    Eine Trommel läßt sich nicht so einfach in ein normales Futter einspannen. Die läuft nicht ausreichend rund, dann vibriert auch der Drehmeißel und die dabei entstehenden Rattermarken machen die Trommel unbrauchbar.

    Man braucht eine Aufspannvorrichtung, welche die Trommel richtig zentriert (in der Verzahnung oder im Konus) und am Umfang gut stützt.

    Wie gesagt, möglich ist es - kein Hexenwerk - , aber einer muss sich die Mühe machen und hier einen Spannadapter bauen/finanzieren.
    Und dann sind bei ollen Trommeln ja eh oft die Gewindebolzen vergriesknaddelt... ich persönlich kauf' die Trommeln dann lieber neu...

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  • Ausdrehen lohnt bis zu einem gewissen Grad (gewissermaßen auch bis zu einem gewissen Grat). Wenn über ein Grenzmaß ausgedreht werden muss, müsste man "Übermaßbremsbacken" verbauen, die es von der Stange nicht gibt.

    Bremstrommeln ausdrehen gibt es aber in der Vespaszene als Dienstleistung.

  • Was ich mich frage ist eher, wie kann es sein, daß die Bremswirkung nur vom herumstehen schlechter werden kann. Kaum steht die Kiste 25 Jahre schon will er nicht mehr (genügend) bremsen??

    Oder die Kiste wurde mit bereits schlechte Bremsen weggestellt, auch eine Möglichkeit...

    Vor der Vollabnahme bin ich natürlich (illegal weil ohne Nummernschild) herum gefahren und habe auch "Bremsmanöver" durchgeführt, Bremswirkung war da, nur mangels Erfahrung meinerseits konnte/kann ich nicht einschätzen wie dolle die Verzögerung sein muss.


    Ich werde mal aufmachen und nachsehen, to be continued.

  • Was ich mich frage ist eher, wie kann es sein, daß die Bremswirkung nur vom herumstehen schlechter werden kann. Kaum steht die Kiste 25 Jahre schon will er nicht mehr (genügend) bremsen??

    Eine tiptop Bremse ist ja absolut blank & fettfrei (in der Trommel). Also absolut ungeschützt.

    Wenn die jetzt lange steht, dann bildet sich da Korrosion.

    Sieht man oft auch bei Autohändlern. Da stehen einige Autos mit rostigen Bremsscheiben - und schon nach kurzer Zeit.


    Wenn das jetzt "jahrelang" steht, dann kann da schon viel Rost vorhanden sein.

    Und auf Rost lässt sich nicht gut bremsen ;-)

    Wer nach den Sternen greifen will, sollte keine Höhenangst haben! ;)

  • Wenn das jetzt "jahrelang" steht, dann kann da schon viel Rost vorhanden sein.

    Und auf Rost lässt sich nicht gut bremsen

    Klar, soweit so gut. Dann sollte aber nach wieder Inbetriebnahme und entsprechendes einbremsen (analog beim PKW) die Bremswirkung doch wiederkehren, sobald der Rost "weggebremst" wurde.

  • Moin

    Bei meiner Rally,Sprint und PX wurde jedesmal die vordere Bremswirkung bemängelt. Da diese schon ab Werk scheiße ist ist das so. Das wissen wir. Aber leider viele TÜV Prüfer nicht...

    Der erste hat's gegoogelt und meinte dann das ich wohl Recht habe und hat die Plakette geklebt

    Wie ist die Bremsleistung an der Hinterradbremse bei deiner PX?

  • Ok

    Wenigsten das sollte blockieren.

    Nimm mal alles auseinander und reinige alles,Nocke fetten in der Ankerplatte nicht vergessen.

    Und wie oben schon geschrieben neue Bremsbeläge und Trommel kontrollieren und ggf erneuern

    Vorne das gleiche


    Gruß Marco

  • Zitat

    Was ich mich frage ist eher, wie kann es sein, daß die Bremswirkung nur vom herumstehen schlechter werden kann. Kaum steht die Kiste 25 Jahre schon will er nicht mehr (genügend) bremsen??

    Das Bremsbelagmaterial ist ein Mix aus Fasern, mineralischen Substanzen, Bindemitteln (z.B. Kunstharz), Füllstoffen (teils gummiartigen) usw.

    • Wie du aus meinem vorigen Beitrag ersehen kannst, ist auch eine gewisse Restelastizität nötig, damit die Beläge funktionieren. Diese Elastizität geht eben im Verlauf der Jahre verloren und dann sind diese Verbrauchs- und Verschleißteile eben unbrauchbar.
    • Und zu den 25 Jahren...hm. Fahrzeuge und ihre Komponenten sind nirgends für eine solche Zeit ausgelegt . Beispiel: Ein neuer unbenutzten Reifen ist per Gesetz kein Neureifen mehr, wenn er verpackt 5 Jahr im Regal gelegen hat (aus dem Reifengummi treten z.B. stetig die für den Grip nötigen Weichmacher aus und machen ihn härter und spröder...ähnlich wie bei dem Belagmaterial)
    • Selbst wenn die Bremsbeläge vor 25 Jahren erneuert wurden, mußt du sie als "Standschaden" abschreiben, so wie andere Teile am Roller auch. Und einfach alles sachgerecht instandsetzen.
    • Besichtige ich alte Roller, achte ich auf solche Standschäden -sie überraschen mich nicht und ich weiß nach 10 min Begutachtung oft ziemlich genau, was ich in die Möhre reinstecken muß.
    Zitat

    Dann sollte aber nach wieder Inbetriebnahme und entsprechendes einbremsen (analog beim PKW) die Bremswirkung doch wiederkehren, sobald der Rost "weggebremst" wurde.

    Nö. Auch bei Autos tut es das nur bei offenliegenden Scheibenbremsen, wo der weggebremste Rost auf der Strasse landet.

    • Bei geschlossen Bremstrommeln bremst sich nichts weg und verschwindet; das bleibt dort.
    • Das Zeug gerät dann zwischen die Beläge und die Trommel und dann ist beides erst recht ruiniert, da Rost wie scharfer Splitt wirkt und der Abrieb eine dünne Schicht bildet.
    • Auch ist das ganze Innere der Bremse und der Trommel mit diesem Bremsstaub verschmutzt. Er dringt irgendwann durch die Wellendichtringe, ruiniert diese, macht im Falle der vorderen Bremse aus dem geschmeidigen weißen Fett des Tachoantriebs eine schwarze feste Masse und gerät im ungünstige Falls in die in der Trommel befindlichen Radlager.
    • Da helfen nur saubermachen und sachgerecht instandsetzen.

    So kann z.B. eine PK/PX-Bremse vorn nach 17.000 km und seit Baujahr 1988 original-ungeöffnet aussehen. Man sieht wenig Verschleiß und genug Belagdicke, aber da bremste gar nix mehr.




    So soll's dann standardmäßig nachher ausschauen damit's mit dem Graukittel wieder klappt: gründlich gereinigt, neu gelagert, neue Beläge neue Wellendichtringe, Bremszug, Tachowelle etc. Federbein und Räder mussten (nach der Zeit) auch neu. Splint sachgerecht befestigt laut Werkstatthandbuch Piaggio.
      

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  • ...

    Nö. Auch bei Autos tut es das nur bei offenliegenden Scheibenbremsen, wo der weggbremste Rost auf der Strasse landet.

    ...

    Das ist auch nicht immer der Fall. Bei Scheibenbremsen liegen die Beläge ja mehr oder weniger dicht an der Bremsscheibe an. Daher rostet die Scheibe unter den Belägen langsamer (oder garnicht) als das freiliegende Metall.

    Wenn die Scheibe lange gerostet hat, kann man diese Unregelmäßigkeit nicht mehr wegbremsen.

  • Wolf 181. Gebe dir recht.

    Einigen wir uns auf die Aussage: Eigentlich reparieren sich Schäden nicht von allein, und selbstreinigende Bremsen würden die ganze Branche ruinieren?
    ;)


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  • Heute noch mal schnell die Bremse am Vorderrad auseinander genommen,

    so sieht es aus:

    Stärke der Beläge und Tragbild, sowie ein Teil der Reibungsfläche in der Trommel.