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Fröhliches Rätselraten: Ursache für wiederholte Kolbenklemmer und metallisches "Rasseln"

  • Kurzes Update: Mit neuem Kolben (Kostenpunkt 8 - 11 Euro), bei dem ich zuerst noch die Fenster und am Schaft entgratet habe, wie von Kawitzi zuvor empfohlen, bin ich 200 km nach Lima gefahren.

    Folgendes fällt mir auf. Beim schnellen Öffnen des Gases beim Anfahren, habe ich ein kurzes "Loch" in der Drehzahl. Diese fällt erst Mal so stark ab, dass ich bewusst höher drehen muss, um zu vermeiden, dass sie beim Anfahren ausgeht. Ich hoffe, das war verständlich beschrieben. Ich vermute eine zu kleine Nebendüse. Diese wurde mangels Beschaffungsmöglichkeit nach dem Zylindertausch nicht angerührt und ist immer noch die 45/140. Heute werde ich eine reine Klassik-Vespa-Werkstatt aufsuchen. Der Mann hat garantiert größere Nebendüsen um unabhängig von euren Antworten zu testen. Ich vermute jedoch, dass diese (wieder in Verbindung mit anderen Faktoren) hinter dem letzten Klemmer steckt. Plausibel? Was meint ihr?

    Außerdem noch erwähnenswert, dass ich wegen schlechter Planung zehn Liter mit offiziell 90-Oktan-Gasohol von der abgelegensten Provinztanke fahren musste. Ob hier wirklich der korrekte Anteil Ethanol drin war, ist schwer zu sagen. Nun hab ich 98-Oktan-Gasohol von ner Marken-Tanke und damit zumindest auf den ersten 200 km keine nennenswerten Probleme.

    Norman

  • Weiteres Update: Der Schraubergott hat geliefert. Er hat mir den Auspuff vernünftig geflickt, so dass dieser sich künftig wieder einfach abnehmen und draufschrauben lässt ohne Spannung.

    Es gibt außerdem keine Falschluftquelle.

    Eine Umdrehung mehr raus bei der LLGS auf 2,5 Umdrehungen und das Drehzahlloch beim Anfahren ist auch weg.

    Kann ich den Klemmer gefördert haben durch bergab rollen ohne gescheit eingestellte LLGS? Immerhin von 4.000 Meter runter auf 0. Und das die meiste Zeit ohne gezogene Kupplung.

    Der Hobel läuft nun jedenfalls wieder überragend und ich riskiere morgen die nächste Etappe über knapp 300 km.

  • also wenn du das getan hast, dann ist es kein Wunder.

    Da liegt eine Fehlannahme vor bzw. eine Verwechselung mit dem Viertaktmotor, der eine Umlaufschmierung besitzt. Hier badet die halb in die Ölwanne eintauchende Kurbelwelle im Motoröl, das dadurch (grob gesagt) von unten in den Zylinder gefördert wird und ihn damit schmiert. Spezielle Kolbenringe (Abstreifer) drücken das Öl wieder in die Ölwanne. Das (reine) Benzin kommt hier von oben durch die Einlaßventile in den Brennraum. Bei intaktem Motor gelangt kaum Öl in den Brennraum, das Motoröl soll auch nicht mitverbrennen sondern viele tausend KM halten.

    Weil hier Ölzufuhr und Spritversorgung getrennt voneinander funktionieren, verreckt ein Viertaktmotor nicht bei Bergabfahrt und/oder im Schiebebetrieb. Darum ist auch eine elektronische Schubabschaltung zwecks Spritsparen möglich. Es muß aber immer in jeder Sekunde genug Schmierung vorhanden sein!


    Bei der Zweitakt-Gemischschmierung aber kommt nur soviel Öl an die Schmierstellen im Motor, wie durch das Benzin-Ölgemisch dorthin transportiert wird. Auch gelangt das Öl in den Brennraum und verbrennt dort optimalerweise nahezu vollständig mit. Man nennt das Verlustschmierung! Hier hilft auch keine verzauberte Leerlaufdüse: wenn der Zylinder ein paar Sekunden kein Frischöl bekommt weil man kein Gas gibt, klemmt er. Der braucht ja schon mit 1 Teil Öl auf 50 Teilen Sprit nur wenig.. aber ohne geht gar nicht.

    Etwas besser sieht es aus, wenn man einen PX-Lusso-Motor mit Ölpumpe hat, die abhängig von Drehzahl und Gasschieberstellung in den Vergaser Öl hinzudosiert.



    Speziell mit einer "nicht-Lusso"-Vespa sollte man an folgendes denken:

    • Nicht bergab im Schiebebetrieb fahren (absolut falsch ist: Gang drin und Motor dreht mit, wird aber durch die Schwerkraft bergab bewegt).
    • Wenn man bergab mit eingelegtem Gang fahren muß: Geschwindigkeit durch mitbremsen drosseln und gleichzeitig etwas Gas geben (" Schleppgas geben" wie der Flieger sagt) .
    • Oder: auf langen Bergabstrecken (nur sofern Situation es zuläßt!): Gang rausnehmen und im Leerlauf mit laufendem Motor bergab rollen (Der Motor soll aus Sicherheitsgründen laufen, damit Beleuchtung und Hupe funktionieren).

    3 Mal editiert, zuletzt von Pierre Lavendel (November 24, 2019 at 21:47)

  • Mahlzeit Leute, Mal ne Wasserstandsmeldung wie das hier weiterging.

    Der aktuelle Kolben hat 3.000 km runter. Der Torito Topf und seine fünf Überströmer halten was mir über sie versprochen wurde. Gestern (mit HD90) nahezu ohne Leistungsverlust erst auf 4.800 Meter geklettert und dann mit 70 - 80 200 km auf nem 4.000 Meter hohen Altiplano gefahren. War wohl echt nur ne kleine Pechsträhne bzw. die gemeinsam ermittelten von mir begangenen Fehler, die zu den vorherigen Klemmern führten. Jetzt rollt die Reuse wieder wie immer.

  • Jepp, hat mich auch irgendwie jeck gemacht, die Vorstellung auf fast 5.000 Metern zu cruisen. Aber Passhöhe waren tatsächlich 4.827 Meter. Paso de Jama von Chile nach Argentinien. Hab eben nen Bericht dazu auf meine Seite hochgeladen. Umso überraschter war ich darüber wie die Mühle da oben weggezogen ist.

    Allgemein merkt man jetzt von den 25 Zusatz-ccm im Flachen nicht viel. Aber am Berg und in der Höhe hab ich schon den Eindruck, dass da mehr geht.

    Netter Nebeneffekt: En neuer Kolben kostet mit acht Euro etwa ein Siebtel des 125er-Meteor-Kolbens vom SIP. Stand jetzt habe ich nicht vor jemals wieder auf Original-Topf zu wechseln.

  • Maaaaahlzeit Leute, endlich hats mal wieder geklemmt. Nach über 4.000 km mit dem Kolben. Gerade sitze ich beim Mittagessen. Bilder daher später. Vorweg die Geschichte dazu:

    Vor einigen Wochen nach dem letzten Klemmer hatte ich ja bereits über das kleine Drehzahlloch beim Anfahren berichtet, was damals durch den Schrauber in Lima behoben wurde, durch herausdrehen der LLGS von 1,5 auf 2,5 Umdrehungen. Danach lief die Möhre wie erwähnt 4.000 km. Gestern zum Abschluss der Fahrt wieder das Drehzahlloch gehabt. Also LLGS weiter raus gedreht. Vier Umdrehungen. Problem weg. Heute morgen losgefahren. Nach 200 km wieder etwas merkwürdiges Gefühl beim Anfahren. Das Loch ist wieder da. Außerdem beim bergab Rollen Mal ohne Kupplung zu ziehen so ein Stottern. Da ich 30 km vor der nächsten Stadt war und die HD groß genug ist (Choketest) beschloss ich weiter zu fahren bis in die Stadt und dort der Sache auf den Grund zu gehen. Drei km vor der Stadtgrenze macht mir dann aber ein Klemmer einen Strich durch die Rechnung.

    Nach dem Essen zieh ich den Pott in aller Ruhe ab und mach dann auch Bilder. Aber kann irgendjemand hier die losen Puzzleteile zusammensetzen.

    Klemmer aufgrund zu mager eingestellter LLGS plausibel?

    Falls ja, ist das ja nur das Symptom. Kann jemand eine Ursache dafür nennen, dass ich die LLGS ständig weiter herausdrehen musste?

    Am Rande sei erwähnt, dass es hier unfassbar heiß ist. Das hat also sicher nicht geholfen.

    Bin außerdem auf 1.000 Metern unterwegs, also höher als Lima (Meereshöhe), wo ja 2,5 Umdrehungen reichten. Nach meinem Verständnis hätte ich also eher weiter reindrehen müssen, aufgrund der Höhe 🤷🏼‍♂️

    Danke vorab.

    Norman

  • Kommt auch immer etwas auf die Umstände an. Wenn du bei 35 Grad in Motorradjacke in der Wüste stehst und nicht mal schnell an den Vergaser schauen kannst, sondern dazu erst deine gefühlt 38 Kilo Gepäck abpacken musst, und du zuvor mit demselbem Symptom aus Unwissenheit schon mal folgenlos 250 km gefahren bist, dann bist du eher bereit 30 km in Kauf zu nehmen um während des Wartens auf das Essen im Schatten an die Problemsuche zu gehen. Ging in dem Fall jetzt halt gehörig in die Buchse.

    Anbei Bilder von Kolben und Zylinder. Der Kolben sieht echt übel zugerichtet aus.

    Täusch ich mich oder ist der Kolben oben drauf sehr wenig verrußt?

  • Erstmal erneut meinen tiefen Respekt für deine Aktion !!!

    Der Kolben sieht sehr mager gelaufen aus...

    Der stotternde Schiebebetrieb zeugt von Falschluft. Ist der Vergaser fest ? Und hadst du den mal gereinigt. Du machst ja mehr Meilen, als die meisten in ein paar Jahren.

  • Ich denke auch, dass du ein Problem mit einem verdreckten Vergaser hast und mit den Schrauben die Ursachen nur kaschierst.

    Gibts in der Nähe auch eine Vespa-Werkstatt?

    Der Vergaser braucht wohl eine Ultraschallreinigung & dann gleich einen neuen Dichtsatz.

    Ausserdem nachschauen ob sich der Vergaser vielleicht wieder gelockert hat!

    Ersatzkolben hast ja noch oder? ;)

    Wer nach den Sternen greifen will, sollte keine Höhenangst haben! ;)

  • Tanatos, jetzt wo du das mit den Schrauben ansprichst. Das waren die zwei, die den Deckel auf der Schwimmerkammer halten. Damit bin ich unwissentlich ne ganze Weile rumgegurkt. Und wenns ordentlich geschüttelt hat und bei hohen Drehzahlen kam vermutlich weniger Sprit an, weil er da ja verloren ging. Das hab ich am Fahrverhalten ja auch gemerkt. Merkwürdig aber: Die Schrauben habe ich 800 km vor dem Klemmer wieder angezogen. War jetzt also nicht direkt vor dem Klemmer, die Geschichte. Aber geholfen hat das ganze sicher nicht.

    Volker, danke dir 😉 was die Laufleistung angeht, hast du absolut recht und dafür hält sie sich eigentlich ganz gut finde ich.

    Zu deinen/euren Fragen: Vergaser war dann jetzt als, ich sie aufgemacht habe um den Zylinder zu ziehen, fest. Locker saß da was etliche km vorher, wie oben erwähnt.

    Gereinigt habe ich den Vergaser zu meiner Schande in einem Benzinbad zuletzt vor über 4.000 km. Ich hab immer wieder Mal draufgesehen und für mich sah/sieht er weiter wunderbar sauber aus.

    Tanatos, du bist im Bilde. Werde nun Ersatzkolben 1 von 3 verbauen, alles ganz sorgfältig verbauen, mit Drehmoment anziehen etc. und damit hoffentlich Mendoza (<600 km) erreichen. Brauche dort eh einen Vespa-Schrauber wegen des vorderen Radlagers und werde dort dann den Vergaser ultraschallreinigen und neu abdichten lassen und den Kerl außerdem einfach Mal alles weitere genauer ansehen lassen.

    Kann das Gasloch beim Anfahren auch mit der Kerze zusammenhängen? Die sah so aus wie auf dem Bild anbei. Inzwischen gereinigt. Hätte ich allerdings einiges früher schon Mal machen können.

  • Ich würde in die Überlegungen einbeziehen, dass das Gasohol die Simmerringe fest werden hat lassen und sie keine gute Dichtungswirkung mehr erzielen.


    Vielleicht hast Du an einem Ort mal zwei Tage Aufenthalt und kannst Dir den Motor mit Vitonsiris abdichten lassen. Ich vermute mal, dass die dafür aufgerufenen Preise das Selbermachen nicht lohnen.